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Ältester Bad Bernecker feierte 100. Geburtstag

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Er schwört auf Pflanzenheilkunde und Brennnesseltee und sammelt immer noch selbst gerne Kräuter. Herbert Mertel ist sich sicher, dass sein Faible einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet hat, dass er am Dienstag dieser Woche seinen 100. Geburtstag feiern durfte.

Herbert Mertel im Kreise der Familie. Hinter ihm Tochter Heidi Baumann, 2.v.r. Schwiegersohn Hermann  sowie seine zwei Enkel und fünf Urenkel.

Herbert Mertel im Kreise der Familie. Hinter ihm Tochter Heidi Baumann, 2.v.r. Schwiegersohn Hermann sowie seine zwei Enkel und fünf Urenkel.

Der älteste männliche Bad Bernecker begeht diesen besonderen Jubeltag im Kreise einer großen Gratulantenschar – und bei bester Gesundheit. Der Trubel, den es um seine Person gibt – er nimmt ihn gelassen. Tochter Heidi Baumann und Schwiegersohn Hermann, denen das Haus in der Schillerstraße gehört, in dem auch Herbert Mertel lebt, sind da schon aufgeregter. Beide haben sich auf eine große Gratulantenschar eingestellt. Und werden nicht enttäuscht. Freunde, Nachbarn, Familie, weltliche und kirchliche Würdenträger – alle sind sie gekommen. Erster Bürgermeister Jürgen Zinnert ist gerade eingetroffen, hat dem Geburtstagskind einen Präsentkorb samt Medaille Patrona Bavariae und den besten Glückwünschen des Bundes– und des Ministerpräsidenten überbracht. Und auch Pfarrerin Karin Scheler ist da. Sie gratuliert im Namen der evangelischen Gemeinde. Auch eine Abordnung der Kindertagesstätte Blumenau, die der Jubilar schon lange und gerne unterstützt, wartet auf ihren Einsatz. Und los geht‘s. „Heute kann es regnen, stürmen oder schnei`n, denn Du strahlst ja selber wie der Sonnenschein. Heute ist Dein Geburtstag, darum feiern wir, alle Deine Freunde freuen sich mit Dir“, singen die Kinder und zaubern Herbert Mertel ein gerührtes Lächeln auf die Wangen.
Geboren ist der Jubilar in Goldmühl, hat in den Webershäusern in Frankenhammern gelebt. Zunächst war er im Vorwerk als Weber tätig. Was ihm aber nicht recht gefallen hat. „Er wollte immer in einen technischen Beruf wechseln“, verrät Schwiegersohn Hermann Baumann. Herbert Mertel ging jedoch zunächst einmal zur Polizei. Nach dem Krieg verdiente er dann als Lkw-Fahrer sein Geld, um kurze zeit später wieder beim Vorwerk zu landen. Als seine Stelle als Heizer nicht weiter benötigt wurde, wechselte er ein Stück mainaufwärts zu Frenzelit. Dort blieb er bis zum Eintritt in das Rentenalter. „Er ist immer sehr gelobt worden“, weiß Hermann Baumann zur beruflichen Laufbahn seines Schwiegervaters zu berichten.
Privat ist der 100-Jährige ein großer Bastler. Für Tochter Heidi hat er einst eine Spielküche gebaut. „Richtig mit Emaille und einem Handlauf um den Herd“, sagt der Schwiegersohn. Die Küche hinterließ bei der Tochter einen entsprechenden Eindruck. Sie wurde folglich besonders pfleglich behandelt und existiert deshalb noch immer.
Von Frankenhammer ist Herbert Mertel 1967 in die Blumenau gezogen. Hier starb 1984 seine Frau. Wobei ihm in der Zeit der Trauer der örtliche Fichtelgebirgsverein beistand. Nicht umsonst ist der Jubilar dem FGV auch heute noch tief verbunden. So sind die Siebensternler zum Geburtstagsfest am Dienstag nicht nur durch Ortsvorsitzenden Günther Grießhammer und Kassier Gerd Jahreis, sondern auch durch den Hauptvorsitzenden Heinrich Henniger vertreten.
Aber auch sonst zeichnet den Jubilar die Liebe zur Natur aus. Und vor allem zur Pflanzenheilkunde. Er ist sehr gerne draußen, sammelt Kräuter im Garten oder lässt sich umher fahren. „Ich muss ihn fahren, wenn er Schafgarbe braucht“, sagt Hermann Baumann. Denn was wo wächst, weiß nur Herbert Mertel. Andere Kräuter hat er im heimischen Garten gezogen. „Bärlauch hat er eine halbe Plantage.“
Herbert Mertel ist aber nicht nur Pflanzen-, sondern auch Fußballfan. Verfolgt die Spiele der Bayern und momentan auch der Nationalmannschaft. Weshalb die Geburtstagsfeier auf jeden Fall nur bis zum Auftritt des deutschen Teams dauern darf. Wie beurteilt er die Leistung der Nationalmannschaft bis zum WM-Halbfinale gegen Brasilien? „Da bin ich nicht zufrieden, die spielen zu wenig nach vorne.“ Und dann spricht er, der früher seinen Enkel Michael regelmäßig beim TSV zusah, von „Standfußball“ und davon, dass Tore vorne geschossen werden. Ob wir trotzdem Weltmeister werden? „Vielleicht haben sie das Glück“, sagt er. Auf das Spiel jedenfalls freut er sich, gewissermaßen als krönenden Abschluss seines Geburtstagsessens, das im Gasthof Friedrich stattfindet.
Aber auch die tägliche Zeitungslektüre lässt er sich nicht nehmen. Dank eines Vergrößerungsglases liest er noch selbst. Und auch den Stadtanzeiger führt er sich regelmäßig zu Gemüte.
Harald Judas


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