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Streit in der Standortfrage: Aufsichtsrat der Plassenburg geschlossen zurückgetreten

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Bleibt die Plassenburg Kelterei an ihrem angestammten Platz oder wechselt sie auf die andere Mainseite in eine verwaiste Produktionshalle von Popp & Co.? Die Standortfrage wurde in den letzten Monaten zur Zerreißprobe zwischen Vorstandschaft und Aufsichtsrat der über 60 Jahre alten Genossenschaft und gipfelte nun im Rücktritt des Aufsichtsrates mit Aufsichtsratsvorsitzendem Uwe Täuber und seinem Stellvertreter Werner Kauper an der Spitze. Genau einen Monat vor der am Samstag, 11. Februar, stattfindenden Generalsversammlung in Kulmbach platzte die Bombe.
Wie Vorstandsvorsitzender Friedrich Rösch, Landwirt und zweiter Bürgermeister von Rugendorf, dem Stadtanzeiger bestätigte, ist der vierköpfige Aufsichtsrat geschlossen bereits am 11. Januar dieses Jahres zurückgetreten. Als Grund nannte Rösch „die grundverschiedene Auffassung in der Standortwahl“ zwischen Vorstandschaft und Geschäftsführung auf der einen und dem Aufsichtsrat auf der anderen Seite.

Nur einen Steinwurf entfernt: So nah die potenzielle neue Produktionshalle auf der anderen Mainseite ist, so groß sind die Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Plassenburg in der Standortfrage.

Seit über zwei Jahren schon herrscht Uneinigkeit darüber, wie es weitergehen soll mit der Kelterei-Genossenschaft und ihrer veralteten Produktionsstätte. Am alten Standort im Kreuzungsbereich zwischen B303 und B2 bleiben, hier moderat modernisieren, den Vertrieb stärken und Stück für Stück in neue Produktionstechniken investieren – das ist die Forderung des Aufsichtsrates. Oder die Produktion kräftig aufrüsten und umsiedeln. Am liebsten in eine der leer stehenden Hallen von Popp & Co. an der Kulmbacher Straße. Das wiederum sehen Vorsitzender Friedrich Rösch, sein Stellvertreter Peter Heuschmann und Geschäftsführer Markus Wolfrum als den Königsweg. Da es nach der Kelterei-Satzung eines Konsenses von Aufsichtsrat und Vorstand bedarf, um eine Entscheidung umzusetzen, herrschte in der Standortfrage seit langem der Status Quo. Die Fronten sind verhärtet.
Ob sich das mit dem Rückzug des alten Aufsichtsrates ändert, hängt letztlich nun von der Generalversammlung und den neu zu wählenden Aufsichtsräten ab. Gelingt es Vorstand und Geschäftsführung die seitens des alten Aufsichtsrates geäußerten Zweifel am Umzug zu zerstreuen, dürfte der Weg endlich frei sein für Standortwechsel ans andere Mainufer. Allerdings sind die von Uwe Täuber und Werner Kauper geäußerten Bedenken gravierend. Was freilich auch die Generalversammlung zur Kenntnis nehmen wird.

Beide sprechen von einem „Hochrisiko-Geschäft“, das schon bei einer einzigen schlechten Ernte das Aus für die Kelterei bedeuten könne. „Locker zwei Millionen Euro“, so schätzt Werner Kauper, der 65-jährige Eigentümer des Fichtelgebirgshofes in Himmelkron, seien nötig, um die Produktion am neuen Standort zum Laufen zu bringen. Der geschätzte Kapitaldienst würde die Kelterei in jeglicher Hinsicht überfordern. „Glauben Sie mir, ich weiß sehr genau, dass man das Geld nicht nur aufnehmen, sondern auch zurückzahlen muss“, sagt der Grandseigneur der Genossenschaft, der seit 32 Jahren entweder im Aufsichtsrat oder im Vorstand die Geschicke des Unternehmens mitbestimmte.
Werner Kauper betont mehrfach, dass ihm auch in diesen schweren Tagen nichts von seinem Herzblut für die Genossenschaft und ihre über 1500 Mitglieder abhanden gekommen sei. Und gerade deshalb habe er nebst seiner Aufsichtsratskollegen dieses Zeichen gesetzt. Es sei das allerletzte Mittel gewesen. „Wir können diesen Umzug nicht mitverantworten. Ziehen wir um, stehen wir kurz vor dem Ruin“, malt er ein düsteres Bild. Ins gleiche Horn stößt auch Uwe Täuber. Der 45-Jährige ist Vertriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens in Kulmbach und sagt: „Bis heute habe ich kein schlüssiges Finanzierungskonzept gesehen, keine Förderzusagen, geschweige denn ein Gesamtkonzept“. Er vermutet, dass sich der Vorstand mit der neuen Halle „sein Denkmal“ setzen möchte. „Hier gehen persönliche Eitelkeiten über das Wohl der Firma und die rund 20 Beschäftigten“.

MEHR DAZU IN DER AUSGABE 06/12 DES STADTANZEIGERS.


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