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Das Dekanat feiert Geburtstag

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Vor 200 Jahren sah die Kirchenwelt ganz anders aus: Kirche und Stadtgeschichte gehören im neunzehnten Jahrhundert noch eng zusammen. So eröffnete Dekan Hans-Martin Lechner die Feierlichkeiten zur 200-Jahr-Feier des Dekanats Bad Berneck unter dem biblischen Motto „So spricht der Herr – ich will unter euch wohnen!“. Der Dekan tat dies ohne Beisein einer Protagonistin: Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner hatte krankheitsbedingt passen müssen. Auch der Visite der Gemeinden des Dekanats hatte sie nicht beiwohnen können.

Neun evangelische Kirchengemeinden sind heute zusammengefasst im Dekanat Bad Berneck, neun Kirchen wurden gebaut, neun ländliche Gemeinden zu regem geistigen und künstlerischen Leben entwickelt.

Auch Landrat Hermann Hübner erhält zur Erinnerung an diesen Tag die „kleine“ Jubiläumskerze.

Zum großen Empfang am vergangenen Donnerstag in der Dreifaltigkeitskirche waren Vertreter der Amtssitze geladen, Politiker, Würdenträger, Geistlichkeit und Regierungsvertreter. In einem umfangreichen Programm entstand ein Bild von Bad Berneck, das von vergangener Zeit bis in unsere Tage wirksam bleibt.

Reinhard Stelzer, Kulturreferent der Gemeinde Himmelkron, entwarf das historische Wachsen der evangelischen Dekanate in Bayern seit der napoleonischen Zeit, zeigte, unter welchen Schwierigkeiten die Ansiedlung evangelischer Pfarrer und ihrer unsicheren Lebensverhältnisse war. Die Kirchengewalt blieb beim König, auch nach dem Beginn der kommunalen Regelung ab 1818 – die äußere Mission blühte auf. Theologen waren gleichzeitig geistliche Lehrer und Historiker; sie dokumentierten Kirchenbau und Kriegselend.

Stelzer scheute sich nicht, auch die historische Gängelung der Nationalsozialisten zu nennen, die letztendlich vergebliche Installation der „Deutschen Christen“, die Gegenbewegungen wie die der Bekennenden Kirche, Verfolgung und Tötung von Pfarrern.

Dekan Lechner ließ die Vertreter der Jugendkammer zu Worte kommen in einem Drei-Generationen-Statement. Die Jugend stellte sich offen als tätige Triebkraft der Gemeinde dar, die mittlere Generation zeigte die Vielfältigkeit der Gemeindeentwicklungen, und die Vertreterin der Senioren zeigte Nachdrücklichkeit: Altern im Dekanat bedeute Gemeinsamkeit, die Bildung von Seniorenkreisen eine feste Basis gegen Einsamkeit – für ein tätiges Altern. Die Jugend mit Florian Kruhme und Bastian Vogel, die Mitte mit Helga Nitzsche, und das Alter mit Anna Becher: eine gesunde Gemeinde.

Auch Grußworte durften nicht fehlen: Landrat Hermann Hübner zog den launigen Vergleich zwischen seiner Arbeit und der des Dekans: „Wir sind äußerst fleißig – aber wir können nicht alles allein machen!“ Man brauche mehr mutige Christen, sagte Hübner, Menschen, die sich einmischten, gerade in der Politik „brauchen wir Bekennende. Fröhliche Überzeugte, die bewusst den Kontakt zu Gott suchen und dabei fündig werden!“ Die Wirkung zog der Landrat aus der Tasche: ein erhöhter Zuschuss zum Ausbau des Alten Kindergartens: 31 000 zusätzliche Euro.

Bad Bernecks katholischer Stadtpfarrer Peter Klamt, überbrachte die Gratulation seines Regionaldekans zum Fest. „Vor 200 Jahren wäre das undenkbar gewesen – heute verkünden wir alle die christliche Botschaft in einer guten Ökumene!“

Dr. Dorothea Deneke–Stoll, Präsidentin im Ehrenamt  der Landessynode der  Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, erinnerte an den Wandel, von dem auch die Kirche nicht verschont bleibe. Basiswissen und Tradition schwinden, sagte sie – aber auch der Fortschritt trete hervor. Dafür stehe die Frauen-Ordination von 1975, der Innerkirchliche Finanzausgleich. „Veränderungen gehören dazu – eine zukunftsfähige Kirche darf nicht mutlos sein!“

Im Anschluss an die Feier eröffnete Dekan Lechner die Ausstellung „Unsere lebendigen Gemeinden“ und lud zu Gespräch und Imbiss ins Gemeindehaus am Kirchenring. Die Teilnehmerzahl des  Abends war so beeindruckend, dass Kirche und Gemeindehaus überfüllt waren. Erst kurz vor Mitternacht gingen die Lichter aus.

Irmintraut Jasorka


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