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„Das rentiert sich nicht mehr“

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Den einen bot er gerne genutzte Abwechslung bei der Abarbeitung der Wünsche auf dem Einkaufszettel, andere haben wohl nur am Rande wahrgenommen, dass es ihn überhaupt gibt: der kleine, aber feine Viktualienmarkt. Seine Samstage scheinen nun gezählt. Nach dem plötzlichen und für viele überraschenden Verschwinden des Eggolsheimer Obst– und Gemüsehandels Huberth besteht der Markt nur mehr aus dem Brotwagen des Buchauer Bäckers.

Nur noch aus einem Brotwagen besteht inzwischen der samstägliche Viktualienmarkt.

Der wöchentliche Markt geht auf eine Initiative des Gewerbevereins zurück. Im Jahre 2003 fiel der Startschuss für ein samstägliches Angebot. Fortan war dann das Angebot der Buchauer Holzofenbäckerei im Sommer ergänzt durch die Familie Huberth aus Eggolsheim mit ihrem Obst– und Gemüsestand, eine feste Größe. Von einer „nicht mehr wegzudenkenden Institution“ sprach etwa im Jahr 2004 auch der Stadtanzeiger, um dann abschließend festzustellen, dass die Bad Bernecker mehr als positiv auf den Wochenmarkt reagiert hatten. Ergänzt wurde das Angebot seinerzeit auch immer wieder von Hausfrauen, die etwa ihre selbstproduzierten Marmeladen und Eingemachtes verkauften, hieß es weiter.
Doch diese richtig guten Zeiten waren längst vorbei. Die Familie Huberth war jedenfalls mit den immer mehr abbröckelnden Umsätzen zuletzt nicht mehr zufrieden. „Das rentiert sich nicht mehr“, erklärte etwa die Tochter des Hauses, die selbst regelmäßig am Stand verkaufte. Deshalb hatte die Familie auch beschlossen, die weite Fahrt nach Bad Berneck künftig nicht mehr auf sich zu nehmen. Immerhin über 80 Kilometer oder mehr als eine Stunde Fahrtzeit sind es schließlich aus der Fränkischen Schweiz bis in die Kurstadt.
Und Seniorchef Reinhard Huberth ergänzte, dass einfach die Supermarktmentalität immer weiter zunehme. Der Umsatz gehe deshalb letztlich auf allen Märkten, an denen er vertreten sei, zurück. Bad Berneck sei vom Umsatz her der am schlechtesten laufende Markt gewesen. Der Ort Stammbach sei nur etwa halb so groß wie Bad Berneck, doch seien in der Hofer Marktgemeinde die Verkäufe auch weitergin in Ordnung.
Der Stadtanzeiger fragte weiter nach. Bürgermeister Jürgen Zinnert gab zu, von dem Schritt des Eggolsheimer Gemüsehändler nur am Rande erfahren zu haben. Immerhin konnte er wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass der Bauhof am vergangenen Wochenende bereits auf die zuvor stets aufgestellten Sperrschilder verzichtet hatte.
Schon für etwas Unmut sorgte die Entscheidung bei Gewerbevereins-Vorsitzender Franziska Martin-Werner gesorgt, die vorab von der Entwicklung nicht informiert worden war. Wozu allerdings Reinhard Huberth erklärt, dass man sehr wohl in Bad Berneck angerufen habe, aber nur bei der Stadtverwaltung. Damit sei die Nachricht in der Kurstadt angelangt, nur eben nicht bis zur Gewerbevereins-Vorsitzenden weitergegeben worden.
Die Stammkunden indes waren vom Schritt des Gemüsehändlers informiert worden. „Es lohnt sich nicht mehr, ich habe mit ihm gesprochen“, erklärte etwa eine Dame, die nach eigenem Bekunden zu den regelmäßigen Kunden zählte und die Huberth auch aus Kulmbach kennt, wo er auch weiter mit seinem Stand vertreten sein wird. Bernhard Dunzel, ein Anwohner am Marktplatz, der zumindest  ab und an einkaufte, musste gestehen, dass ihm das Fehlen des Standes gar nicht aufgefallen war. „Ist doch trotzdem immer Einiges los“, zeigte er sich verwundert.
Dass von Woche zu Woche etwas weniger Betrieb war, diese Wahrnehmung hat eine andere Dame gemacht, die namentlich nicht genannt werden wollte. Sie fand es „schon schade“, dass das Angebot nicht mehr besteht. Denn zumindest bei den Anwohnern der Oberstadt war der Stand durchaus beliebt. Wenn auch nicht ohne Einschränkung bei allen: Denn eine andere Dame gibt zu Protokoll, dass ihr das Angebot eigentlich zu teuer war.
So sind letztlich nun also 50 Prozent des Bad Bernecker Viktualienmarktes ein Opfer der aktuellen Entwicklung geworden. Das Schwinden des ohnehin übersichtlichen Angebotes in der dahinsiechenden Oberstadt will man seitens des Gewerbevereins aber nicht einfach so hinnehmen. Man werde versuchen, verschiedene lokale Anbieter mit ins Boot zu holen. „Da wären die Anfahrtswege nicht so weit und die Kosten erträglicher“, so Franziska Martin-Werner.


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