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Der Mooshof wird zum Biohof

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Von staatlicher Seite wird in der Landwirtschaft der Großbetrieb forciert. Doch ohne Günter Hartmann. Er möchte seinen eigenen Weg gehen und stellt derzeit seinen konventionell geführten Bauernhof auf einen ökologischen Betrieb um.

Familie Hartmann vor dem Mooshof bei Wasserknoden.

Familie Hartmann vor dem Mooshof bei Wasserknoden.

Ausschlaggebend für die Umstellung war für Günter Hartmann eine Studie des Umweltinstituts, bei dem 20 verschiedenen Getreideprodukte untersucht wurden. Bei 13 Produkten wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels Glyphosat nachgewiesen .
„Wir haben gesagt, das können und wollen wir nicht vertreten“, so Hartmann. „Mit der Entscheidung auf Umstellung zum Biobetrieb  haben wir den Kontakt zum Bioverband Naturland gefunden und waren frühzeitig vom Konzept überzeugt.“
Schon vor der Umstellungsphase auf Bio war sein Betrieb ein zertifizierter Betrieb für die Herstellung der „fairen Milch“. Für diese Milch darf man „keine Futtermittel aus Übersee und keine gentechnisch veränderten Futtermittel“ einsetzen. Damit entfiel beispielsweise das Zufüttern von Soja. Somit hatte Günter Hartmann schon vor der eigentlichen Umstellung bereits mehrere Bio-Kritierien erfüllt. Sein Betrieb arbeitet zudem seit vielen Jahren mit homöopathischen Mitteln. Der Tierarzt wird nur im Notfall bei schwerwiegenden Fällen gerufen.
Ein wichtiges Argument für die Umstellung ist aber auch Tochter Julia. Die 20-Jährige wird die Hofnachfolgerin, nachdem der ältere Bruder andere berufliche Interessen zeigte. Mit der Entscheidung der Tochter für die Landwirtschaft lohnte sich auch diese Investition. Julia Hartmann hat eine Ausbildung zur Landwirtin abgeschlossen, ein Jahr Berufsgrundschuljahr und zwei Jahre Fremdlehre auf dem Bio-Betrieb Manfred Albersdörfer in Welluck bei Auerbach/Oberpfalz absolviert. Seit dem 1. August 2013 arbeitet sie auf dem elterlichen Betrieb und besucht ab September die Technikerschule in Triesdorf. „Sie hat schon immer gesagt, wenn sie einmal den Betrieb übernimmt, lässt sie das Vieh raus.“
Nun dürfen die Kühe also schon früher auf die Weide. Ein Grundstück mit sieben Hektar wurde bereits eingezäunt, dieses liegt gleich hinter dem Stall.
Wobei die Tiere trotzdem noch zugefüttert werden müssen, da diese Grünfläche nicht ausreichend für den kompletten Futterbedarf sein wird. Jede Kuh hat somit künftig einen Fress- und Liegeplatz unter Dach und kann darüber hinaus auf die Weide.
Mit der Bio-Umstellung geht der Mooshof die aktuelle Entwicklung zu immer größeren Einheiten nicht mit, wie Günter Hartmann hervorhebt. 150 bis 200 Kühe werden inzwischen amtlicherseits empfohlen. „Ich bin aber nicht gewillt, das mitzumachen“, sagt er. Sein Ziel seien 50 bis 55 Kühe, dazu noch die Nachzucht.
Auch mit Blick auf die notwendigen Investitionen. „Die Kinder zahlen ein Leben lang ab“, sagt Tochter Julia. Und letztlich stünden die nötigen Investitionen für eine größere Betriebsentwicklung in keinem Verhältnis mehr zu den Risiken. 2015 fällt die Milchquote, wie sich der Milchpreis-Erlös dann entwickelt, ist ungewiss, und man sei schließlich vom Milchpreis abhängig. Somit kommt für den Betrieb eine große Investition nicht in Frage.
Seit dem 1. Januar 2012 läuft nun schon die Umstellungsphase. Diese dauert zwei Jahre. „Zum 1. Januar 2014 wären wir Bio-zertifiziert“, rechnet Hartmann vor.
Allerdings muss der Betrieb auch erst ein halbes Jahr lang nach Bio-Kriterien geführt werden. Eine der Vorgaben ist es, den Laufstall zu vergrößern, weil das Vieh des Milchviehbetriebes mehr Auslauf und jede Kuh ihren Fress- und Liegeplatz benötigt. Der Anbau an den bestehenden Laufstall ist schon im Entstehen. Dieser wurde im Frühjahr im Bauausschus des Stadtrates Bad Berneck genehmigt und geht dem Ende entgegen. Danach wird ein Übergang von der Weide zum Stall mit Laufmatten ausgelegt und der Weidebetrieb gestartet. Wenn alles nach Plan läuft, gehen die Kühe Ende August auf die Weide.
Dann wiederum klärt sich auch die spannende Frage, ob die den Stall gewöhnten Tiere den Weidegang problemlos annehmen und zu den Melkzeiten in den Stall zurückkehren.
„Wenn die Kühe sich erst einmal umgewöhnt haben, werden sie zu den Melkzeiten schon angetrottet kommen“, so die Vermutung. Doch wie lange es dauert, bis diese Automatismen greifen, wissen die Hartmanns nicht genau. Mit dem Weidegang  beginnt jedenfalls die Halbjahresfrist, so dass man ab dem kommenden Frühjahr als vollwertiger Biobetrieb zählt.
Für Günter Hartmann ist eines noch wichtig: Er würde seine Berufskollegen niemals versuchen zu überzeugen, ihren Betrieb ebenfalls auf ökologisch umzustellen. Aber natürlich steht er gern mit Rat und Tat zur Verfügung, falls sich jemand über seine Erfahrungen informieren möchte. „Diesen Weg muss man aus Überzeugung gehen!“, so Günter Hartmann. Wobei auch einige Steine in den Weg gelegt werden. Denn auch aufgrund einer Vielzahl von Dokumentationspflichten wird der Papierkrieg noch größer, das steht schon jetzt fest.  Wichtig sei jedoch, dass die biologische Landwirtschaft ein besseres Wohlergehen der Tiere und dies gesündere Produkte zur Folge hat. Und darauf kommt es der Familie Hartmann an.


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