Abonnieren: Artikel | Kommentare

Die A9 wird 75

0 Eintrag

Am 27. September ist es genau 75 Jahre her, dass die Autobahn zwischen Lanzendorf / Bad Berneck und Schleiz eröffnet wurde. Und seinerzeit haben auch  Wasserknodener großen Anteil am Bau genommen, wie sich zwei Einheimische zurückerinnern.

Die heutige Ausfahrt Marktschorgast gab es zur Zeit des Baus noch gar nicht. Doch in dem Bereich standen die Wasserknodener zur Einweihung am Fahrbahnrand, was seinerzeit auch ausdrücklich gewünscht war.

Johann Götz etwa weiß noch, wie die Arbeiter des Abschnitts in zwei Baracken bei Falls und Rohrersreuth untergebracht waren – oder auch bei Bauern übernachteten. Vor allem das Bauwerk Rohrersreuther Brücke ist in Erinnerung geblieben. Seinerzeit die zweitgrößte Autobahnbrücke überhaupt. Zum Transport des Materials wurde die Bahnlinie genutzt, die nach Marktschorgast nahe an der Autobahntrasse vorbeiführt.
Götz erinnert sich auch, dass die Betonteile vor Ort in Formen gegossen wurden und er weiß noch, dass die Reichsautobahnbauer, die an dem Abschnitt aus der Oberpfalz stammten, ihre eigene Schaufeln mitbringen mussten. Dass der Verkehr zur damaligen Zeit noch unbedeutend war, sieht man an anderen Geschichten. Denn die Familie Götz durfte wie alle Anlieger zum einen die Böschung, zum anderen auch den Mittelstreifen mit mähen. Und dass die Vorschriften nicht so streng waren, zeigt sich daran, dass sich die direkt neben der Trasse wohnende Familie Frank in den Anfangsjahren mit dem Kuhgespann auf der Autobahn nach Himmelkron auf den Weg machte.
Hans Kolb kann ergänzen, dass er selbst, wenn er mit dem Schlepper zur Werkstatt nach Bayreuth musste, über die Autobahn fuhr. „Das wurde früher nicht so eng gesehen“, erinnert er sich zurück. Und er weiß auch noch, dass es die Ausfahrt Marktschorgast zunächst noch gar nicht gab.
Kolb erinnert sich auch zurück, dass auf der Baustelle 200 Mann beschäftigt waren, alle aus der Oberpfalz. Wasserknodener waren auf der Baustelle seines Wissens nach nicht beschäftigt. Allerdings später bei Anpflanzungen wurden Leute gebraucht und man war dann zu viert im Einsatz.
Entgegen der oft gehörten Meinung war der Autobahnbau übrigens gar nicht das geistige Werk Adolf Hitlers. Vielmehr wurde schon 1909 eine Gesellschaft zur Errichtung der AVUS gegründet, auch wenn diese erste Autobahnstrecke vor den Toren Berlins dann erst 1921 fertig gestellt wurde. Als nächstes folgten Planungen zu einer Nord-Süd-Autobahn und eine „Gesellschaft zur Vorbereitung des Autobahnbaus“ entstand. Das zunächst fehlende Geld stellte nach der Machtübernahme kein Problem mehr da. Schon am 13. September 1933 unterrichtete die Gesellschaft beispielsweise den Stadtrat Münchberg von den Plänen zum Bau einer Autobahn.
Die oberste Bauleitung der Reichsautobahn in Nürnberg wurde dann am 1. Februar 1934 gegründet und war für den Autobahnabschnitt Schleiz bis Ingolstadt zuständig. Am 20. Juni 1934 wurde in Münchberg schließlich eine Bauabteilung der Reichsautobahn errichtet.
In der Reihe „Beiträge zur Münchberger Stadtgeschichte“ haben sich Berthold Flessa und Helmut Goller der „Geschichte der Autobahn 1934 bis 2000“ angenommen und schildern den 27. September 1936, den feierlichen Tag der Einweihung des Abschnitts Schleiz bis Lanzendorf, wie folgt:
„Im hiesigen Raum war es am 27. September 1936 soweit. Nördlich der Ausfahrt Bad Berneck/Lanzendorf stand die Rednertribüne. Um 11.00 Uhr begrüßte Oberbaumeister Staudinger als Stellvertreter des Leiters der OBR Nürnberg die Ehrengäste, danach folgte die Ansprache eines Gefolgeschaftsmitglieds der Reichsautobahnarbeiter. Anschließend hörte man über Rundfunk den Führer aus Breslau, der dort zur gleichen Zeit den 1.000 Autobahnkilometer einweihte. Nun hielt Gauleiter Wächtler die Weiherede und nach dem Durchschneiden des weißen Bandes setzte sich die wartende Autokolonne mit den Ehrengästen an der Spitze Richtung Schleiz in Bewegung.“
Ab dem Tag der Einweihung verkehrte auch zwischen Schleiz und Bayreuth übrigens eine Kraftomnibuslinie, die aber wohl nur wenig ausgelastet war, weshalb es mit dem Kriegsbeginn zur Einstellung kam. Und noch etwas lässt sich nachlesen: Seinerzeit war auch schon eine Autobahn nach Karlsbad geplant und sogar der Spatenstrich war am 1.12.1938 in Eger schon erfolgt. Und in Streitau liefen nach Aufzeichnungen seinerzeit ebenfalls erste Erdarbeiten an. Doch der Krieg legte die Baustelle still. Die Langlebigkeit von derartigen Planungen zeigt sich aber anhand des Themas Fichtelgebirgsautobahn bis heute.


Kommentar dazu schreiben:

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben.