Abonnieren: Artikel | Kommentare

Die Anfänge Bad Bernecks

0 Eintrag

„Die Walpoten als Grundherren und Reichsgutverwalter in Berneck“ – mit diesem zugkräftigen Thema konnte der Kulmbacher Kreisheimatpfleger Dr. Ruprecht Konrad den Nebenraum des Gasthofs „Drei Linden“ buchstäblich bis auf den letzten Platz füllen. Veranstalter war die Bezirksgruppe Wirsberg des Colloquium Historicum Wirsbergense, mit über 1.700 Mitgliedern in 17 Bezirksgruppen einer der großen Geschichtsvereine in Franken.

Dort war ihr Sitz: „Hohenberneck / Neuwallenrode“ wurde ab 1478 auf den Grundmauern der Walpotenburg errichtet.

Das kurzweilig vorgetragene Referat, voller interessanter Details, kann hier nur in wichtigen Teilen und Entwicklungen sowie mit Zeitsprüngen vermittelt werden. Alles in den Ausführungen Dr. Konrads drehte sich um die drei Punkte Herkunft, Besitz- und Herrschaftszentren sowie Funktion und Bedeutung dieses Familienverbandes. In seinem Forschungsansatz suchte Dr. Konrad nach vergleichbaren Strukturen aus der Zeit des Hochmittelalters, aus der relativ wenige schriftliche Quellen existieren. Als wichtige Anhaltspunkte dienten ihm vor allem die (Vor-) Namen bzw. Leitnamen, die in den adligen Familien vererbt wurden sowie deren Wappen.

Seit dem 8. Jahrhundert zählten alle „eroberten“, neu in das (Franken-)Reich eingegliederten Gebiete zum sogenannten Reichsgut. Für dessen Erschließung, Verwaltung und Schutz wurden Gaugrafschaften errichtet und adlige Reichsgutverwalter eingesetzt. Ein kleiner Teil des Reichslandes wurde ihnen vererbbar geschenkt, sogenannten „Allodialgut“, der weitaus größere Teil nur treuhänderisch anvertraut. Diese Entwicklung fand Ende 8. / Anfang 9. Jahrhundert. auch im Gebiet ostwärts der „Regnitz-Schiene“ zwischen den karolingischen Königshöfen Forchheim und Hallstadt statt. Die Walpoten kamen, vermutlich aus dem rheinfränkischen Raum um Alzey stammend, als Reichsgutverwalter in unsere Region und wurden im Jahr 1015 erstmals urkundlich im heutigen Oberfranken erwähnt.

Auf einem Blatt der Bamberger Alkuin-Bibel wurde im Jahr 1028 eine für unsere Region wichtige Schenkung notiert. Ein Walpote namens Reginold schenkte dem Bistum Bamberg mehrere, damals dünn besiedelte Orte (lat. loci) um Alten-Trebgast (heute Bayreuther Stadtteil St. Johannis), „unser“ Stein und „Kulma“ (vermutlich Alten-Kulmbach, im heutigen Kulmbacher Stadtteil Metzdorf). Nach Ansicht Dr. Konrads handelte es sich dabei um befestigte Forsthöfe zur Verwaltung der Reichsforste.

Bezeugt wurde dieser Schenkungsvorgang von mehreren Hochadligen und Gleichgestellten. Entnommen hat Reginold die Schenkung vermutlich größtenteils aus ihm anvertrautem Reichsgut, das ihm gar nicht persönlich gehörte. Damit tat er etwas für sein himmlisches Seelenheil und zugleich aber für die weltliche Stärkung des mit den Walpoten „verbündeten“ Bistums.

Vier Jahre zuvor war der Stifter des Bistums Bamberg und letzte Vertreter der (sächsischen) Ottonen auf dem Thron, Heinrich II., gestorben. Nachfolger war mit Konrad II. der erste Herrscher aus der (rheinfränkischen) Dynastie der Salier, deren Schwerpunkt rund um Speyer (Dom der Salier!) lag. Er und seine Nachkommen hatten naturgemäß kein weiteres Interesse an einem Ausbau des Gedächtnis- und Begräbnisplatzes des Vorgängers in Bamberg, sondern wollten Lehen und Schenkungen, die unter den Karolingern und Ottonen vergeben wurden, eher wieder rückgängig machen.

Das Bistum Bamberg hatte seine Position unter anderem im Frankenwald bereits ab dem Jahr 1104 weiter ausgebaut. 1151 kamen Stadtsteinach und 1247 Marktleugast zu Bamberg. Auffällig war, dass sich Bamberg seinen Besitz ganz gezielt an den dem Fernhandel und aufkommendem Pilgerwesen dienenden Reichsstraßen sicherte, bevorzugt an Straßenkreuzungen, wo Ministeriale Befestigungen errichteten. Die Einrichtung von Herbergen, „Karawansereien“ und Marktplätzen entlang dieser Entwicklungsachsen führten auch zu Geldeinkünften. Und eine wichtige Nord-Süd-Verbindung führte, gewissermaßen als A9 oder B2 des Mittelalters auf dem Weg von Leipzig nach Nürnberg auch durch Bernecker Gebiet.

Die Walpoten hatten neben ihrem Herrschaftszentrum in der Fränkischen Schweiz rund um Zwernitz, Lochau, Trumsdorf und Alten-Hollfeld ein zweites Zentrum südlich von Stein trotz der Schenkung 1028 nicht aufgegeben, sondern offenkundig mit Duldung des Bistums Bamberg weiter nutzen und ausbauen können. So entstand unter anderem die Burganlage Alt-Berneck oberhalb der „Waldlust“ und später die Walpotenburg an der Stelle der späteren Hohenberneck / Neuwallenrode. Das ging zumindest bis zum Jahr 1177 einigermaßen gut.

Mit dem Aussterben der Schweinfurter Markgrafen erbten unter anderem. die Grafen von Andechs deren im hiesigen Raum noch verbliebenen Besitz, der etwa vom heutigen Bayreuth den Roten Main entlang über Alt-Drossenfeld bis zum Ort der Plassenburg reichte, wo sie 1135 eine erste Burg bauten. Letztere war allerdings von drei Seiten von Bamberger Herrschaft umgeben. Im Jahr 1177 gelang es den Andechs-Meraniern jedoch erstmals einen der Ihren auf dem Bamberger Bischofsstuhl zu platzieren und diese Position bis 1247 zu halten. Da sie ab 1180 aus ihrem angestammten Land immer stärker von den zu Herzögen von Bayern aufgestiegenen Wittelsbachern verdrängt wurden, fanden sie in unserer Region ein neues Entwicklungsfeld und mit dem neuen Bischof tendenziell einen Förderer.

Mit dieser Entwicklung saßen die Walpoten zwischen den Stühlen. Denn der neue Bischof bestand auf der vollen Verfügung über die Schenkung von 1028. Die Walpoten hatten für diesen Fall keinen „Plan B“ und verloren ihr östliches Herrschaftszentrum. Über Generationen hinweg ist in ihrem Handeln kaum ein über Besitzverwaltung hinausgehender dynastischer Ansatz zur Schaffung einer auf Dauer angelegten reichsunmittelbaren Herrschaft erkennbar. Der immer neue Bau von Burgen verschlang für damalige Verhältnisse Unsummen an Geld. Das in einer Zeit, wo Grundbesitz gegenüber dem Bargeld, Handel und Handwerksproduktion immer mehr an Bedeutung verlor. Wo andere Adlige längst mit gezielten Gründungen erfolgreicher Handelsplätze und Städte vorangegangen waren, kamen die Walpoten „zu spät im Leben“ – und wurden prompt „bestraft“. Ihre Gründung am Rand des Limmersdorfer Forstes, Neustädtlein am Forst, war um 1280 kein Erfolg mehr. Andere hatten sich ab dem 11./12. Jahrhundert bereits längst „am Markt etabliert“.

Weitere Schenkungen hatten zuvor schon zur Schwächung der Walpoten geführt. Nachdem zuvor immer mehr Besitz verkauft werden musste, um an Bargeld zu kommen, war die Familie um 1300 mit „Friedrich dictus (genannt) Walpoto“ endgültig auf dem absteigenden Ast. Es war kein Geld mehr vorhanden. Er musste in eine inzwischen reichere Niederadelsfamilie einheiraten. Seinen Schwiegervater nannte er „meinen Herrn“, den damaligen Vogt von Weida „meinen Gebieter“. Im 14. Jahrhundert waren die Walpoten in unserer Region noch im Dienstadel erkennbar, bevor sie im Nebel der Geschichte vollends verschwanden.

 

Erinnerungen

 

Was blieb von den Walpoten, die sich um die Erschließung unserer Region verdient gemacht hatten? Der Vortrag bot mehrere Antworten, unter anderem findet sich im Kasendorfer Wappen der fast zur Hauskatze mutierte Panther aus dem Walpoten-Wappen, dessen Führung ihnen im Rang von Pfalzgrafen zustand. Dann sind die Namen früherer Walpoten-Besitzungen zu nennen, wie z.B. Walberngrün bei Grafengehaig oder Walbenreuth als Ortsteil von Waldershof. Den Berneckern blieb wohl der Stadtname. Nach Auffassung des Referenten geht der Name Berneck und Bärnreuth auf das Wort Barr oder Barre zurück, was Grenze bedeutet (auch im Wort Barriere). Und tatsächlich lag Berneck an einer „Grenzecke“ des Schenkungsgebietes. Auch anderswo kommt dieses Wort mit Bezug auf eine Grenzlage vor. – Ein „Walpoteneck“ wäre von späteren Grundherren auch bestimmt umbenannt worden.

Dr. Konrad ging aber auch darauf ein, woher die fränkischen Farben rot weiß eigentlich kommen. Das waren die Farben des alten fränkischen Reiches und die Walpoten führten als karolingische Reichsministeriale und -gutsverwalter diese selbstverständlich in ihrem Wappen. Über diese Schiene in Verbindung mit den sich ständig wiederholenden Leitnamen kam Dr. Konrad der Herkunft auf die Schliche, was bedeutet, dass die Walpoten schon deutlich vor 1015 hier gewesen sein müssen. Denn die „Kolonisierung“ der slawisch besiedelten Gebiete ostwärts der Regnitzschiene startete so richtig nach der Kaiserkrönung Karls des Großen, der ja mit zwei Feldzügen nach Böhmen das dortige Herzogtum tributpflichtig machte und lose ans Frankenreich band.

Das Wappen ist zweigeteilt, die linke Hälfte ist gefüllt mit rot-weißen Querstreifen, in der rechten Hälfte steht der Panther aufrecht. Die Beschreibung des Wappens und der Frankenfarben, so was könnte man noch gut in einen zweiten Teil einbauen. Wie der Referent weiter erläuterte, führten Hochstifte, das heißt Fürstbistümer den Löwen im Wappen, Pfalzgrafen den Panther und Burggrafen das schwarz/weiße Schachbrett (Hohenzollern / Berneck), was dann immer in deren Familienwappen auftauchte.

Ein weiterer Familienteil wurde nach Ansicht des Referenten ebenfalls als Angehörige der karolingischen Reichsaristokratie als Reichsministeriale und -gutsverwalter nach Kärnten geschickt (das als Karantanien bereits um 743 vom Vater Karls dem Großen erobert worden war und wegen der Awareneinfälle besonders militärisch gesichert werden musste). Im alten Kärntner Wappen waren diese Panther ebenfalls vorhanden. Und im Wappen der angrenzenden Steiermark steht er bis heute.

Auch Ortsnamen in Kärnten, wie Penk, Pulst, Zweinitz kommen einem irgendewie vertraut vor; oder in der Steiermark Ortsnamen wie Kainach (eines bei Voitsberg und eines bei Wildon, beide nahe Graz), Turnau. Ein Perneck kommt zweimal in Oberösterreich vor. In Kärnten hat er auch noch einen Berg namens Walpotschek gefunden.

Das mögen vielleicht kühne Deutungen sein. Aber die immer wiederkehrenden Leit(vor)namen mit ihren „Abarten“: Adelolt / -f; Hemmo / -olt; Immo, Irminolt, Irminfrid; Reginold / -t anstatt -d. Die tauchten nach seinen Forschungen dort eben auch auf.

Dazu hatte Dr. Konrad auch eine interessante Ahnenreihe erstellt, wohin einzelne Teile des Familienverbandes gesandt worden sein sollen. Nicht bloß für Geschichtsfreaks sind diese Thesen und Parallelen nicht so ohne Weiteres von der Hand zu weisen. Dazu plant der Autor in Kürze auch eine Veröffentlichung über den Historischen Verein.

 A. Diller

 


Kommentar dazu schreiben:

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben.