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Die Hauptdarsteller eines packenden Derbys: Schlemmer, Degelmann und der Referee

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Es gab diesmal keinen Sieger. Dafür aber waren die Emotionen im Anschluss an das packende Kreisklassen-Stadtderby zwischen dem SV Röhrenhof und dem TSV Bad Berneck auffallend unterschiedlich. Während der TSV das 4:4 – es war das erste Remis nach drei Pleiten in Folge gegen den Stadtrivalen – wie einen Sieg feierte, regierten im Lager der Rot-Weißen doch vornehmlich Wut und Enttäuschung. Enttäuschung darüber, dass man eine 4:2-Führung noch aus den Händen gegeben hatte. Wut über die Leistung von Referee Helmut Bauer, der das Spiel aus Sicht vieler Röhrenhofer maßgeblich beeinflusst hatte.

 

Bad Bernecks Efinger (am Boden) von Völkl und Reinl in die Zange genommen: Dieser Pfiff von Referee Bauer war unstrittig, manch anderer war es nicht.

Bad Bernecks Efinger (am Boden) von Völkl und Reinl in die Zange genommen: Dieser Pfiff von Referee Bauer war unstrittig, manch anderer war es nicht.

So musste sich der zum Sündenbock auserkorene Unparteiische beim Gang in die Kabine einiges anhören. Dass es beim SVR öfters einmal emotional wird, ist bekannt, „an solche heftigen Buhrufe und Pfiffe kann ich mich aber auch nicht zurückerinnern“, erklärte SVR-Vorsitzender Ulrich Trepl. Einen Beleg der hochkochenden Emotionen lieferte auch die 60. Minute: Als der Unparteiische nach einem Strauchler zu Boden ging, brandete ähnlich großer Jubel auf wie beim kurz vorher markierten 4:2 durch Matthias Schlemmer. Ob diese Emotionen berechtigt waren? „Auf jeden Fall, die Leistung des Unparteiischen war unterirdisch“, übte sich der SVR-Vorstand auch nicht in überbordender Diplomatie. Er nannte einen zu Unrecht gegeben Foulelfmeter für den TSV nach einem vermeintlichen Strafraumfoul an TSV-Stürmer Walter Nickel und das direkte Freistoßtor des Bad Bernecker Mittelfeldmotors Alexander Degelmann zum 3:4, das nicht hätte zählen dürfen, weil der Freistoß indirekt hätte ausgeführt werden müssen, als größte Verfehlungen des Unparteiischen. In der Tat lag der Mann in Schwarz in den beiden beschriebenen Szenen daneben. Und auch eine angezeigte Abseitsstellung gegen den völlig frei stehenden SVR-Spielertrainer Christian Nachtmann, der in der 85. Minute wohl keine Mühe gehabt hätte, das 5:3 zu markieren, war falsch.

Dass der SVR laut Ulrich Trepl „eine ganze Latte gelber Karten“ und eine Ampelkarte gegen den guten Cengiz Seker kassierte, „die Bernecker aber keine einzige“, war hingegen nur allzu verständlich. Fast von der ersten Minute an prasselte seitens der SVR-Akteure Kritik auf den Unparteiischen ein. Kein Freistoß ohne anschließende Diskussion, kaum ein Zweikampf ohne Beschwerde aus den Röhrenhofer Reihen. Bezeichnend war der Gefühlsausbruch des sehr agilen, aber doch auch übermotivierten Ex-Bad Berneckers Heiko Walter. Der hatte kurz vor der Pause die gelbe Karte gesehen, stürmte aber schon in der nächsten strittigen Szene wie von der Tarantel gestochen auf den Unparteiischen zu. Nur mit großer Mühe konnten ihn seine Mitspieler von dem Referee fern halten.

Die Bad Bernecker Akteure, sonst auch keine Kinder von Traurigkeit, blieben hingegen ruhig, ließen sich von der aufkommenden Hektik nicht anstecken. „Das war diesmal wirklich unser großes Plus. Wir haben uns nur auf unser Spiel konzentriert und das Drumherum ausgeblendet. Da hat mich meine Mannschaft schon sehr beeindruckt“, sparte TSV-Spielertrainer Klaus Harreis nicht mit Lob. Deshalb sei der Teilerfolg letztlich auch verdient gewesen. „Eine echte Energieleistung, die mich schon ein bisschen stolz macht“, schob der scheidende Trainer nach.

In der Tat – und nun sind wir endlich beim Spiel – war der Teilerfolg, gemessen an den Spielanteilen, gerecht. Das räumte ungeachtet aller Schiedsrichter-Kritik auch Vorsitzender Ulrich Trepl ein. „Der Unterschied lag darin, dass wir uns unsere Chancen herausgespielt haben, der TSV vornehmlich bei Standards gefährlich war. Wobei wir diese Freistoßtore nicht bekommen dürfen.“

Tatsächlich gingen alle vier Tore der Bad Bernecker von ruhenden Bällen aus: Die frühe Führung durch Daniel Sauerstein (12.), der vom überragenden Matthias Schlemmer per Querpass von der Grundlinie mustergültig bedient worden war, konterte der TSV in Person von Alexander Degelmann nur sechs Minuten später. Eine gut getimte Freistoßflanke aus 23 Metern halblinks setzte im Strafraum auf und fand den Weg ins lange Eck, ohne dass ein Akteur das Leder berührte. Dem Ausgleich folgte die Gästeführung nur sechs Minuten später – wieder durch den präsenten TSV-Routinier: Den vormals angesprochenen unberechtigten Strafstoß an Walter Nickel verwandelte er sicher.

Röhrenhof war davon aber keineswegs geschockt und drückte weiter aus Tempo, wobei Matthias Schlemmer fast an jeder gefährlichen Szene beteiligt war und als klarer Punktsieger aus dem Duell mit TSV-Verteidiger André Wesner hervorging. Nicht von ungefähr brachte der am Saisonende wohl nach Nemmersdorf wechselnde SVR-Kapitän seine Mannschaft mit einem Doppelschlag wieder in Front. Mit etwas Glück, aber vor allem mit großer Kaltschnäuzigkeit ließ er TSV-Keeper Uhlig in Minute 41 und 42 keine Chance. Hier Degelmann, dort Schlemmer – schon zur Pause hatte jede Mannschaft ihren Hauptdarsteller.

Die Fortsetzung des Duells der beiden Protagonisten folgte in den zweiten 45 Minuten. Zunächst war Schlemmer an der Reihe. Nach unwiderstehlichem Alleingang vorbei an dem strauchelnden TSV-Libero Klaus Harreis und an dem für den verletzten Uhlig eingewechselten Michael Hahn markierte er das 4:2. Was sonst für den TSV den sicheren K.o. bedeutet hätte, wirkte diesmal als Weckruf. Nachdem TW Hahn noch einmal glänzend gegen den frei vor ihm auftauchenden Nachtmann geklärt hatte, schlug der TSV zurück. Eine abermalige Beschwerde von Cengiz Seker nahm der Unparteiische zum Anlass, 30 Meter vor dem SVR-Gehäuse einen Freistoß zu verhängen. Degelmann und dessen feiner linker Fuß, der es auch brachial kann, erwiesen sich als abermaliger Glücksbringer. Wie an der Schnur gezogen zischte das Leder zum 3:4 in die Maschen, vorbei auch am regungslosen SVR-Keeper Marco Riedelbauch.

Nun nahm die Hektik zu, im Mittelfeld wurde um jeden Ball verbissen gekämpft, der TSV drängte, der SVR blieb brandgefährlich. Letztlich war es wieder Degelmann, der für den entscheidenden Moment sorgte. Einen Freistoß an der linken Außenlinie beförderte er in der 87. Minute auf den Kopf von TSV-Kapitän Tobias Neukam. Der bugsierte den Ball mit dem Hinterkopf vorbei am herausstürzenden Marco Riedelbauch per Bogenlampe in die Maschen des SVR-Gehäuses. Es war der Schlussakkord eines denkwürdigen Spiels.

 

Fazit des Spiels: Anders als in den Derbys zuvor war der TSV den Röhrenhofern     kämpferisch ebenbürtig, so dass das Remis letztlich doch auch verdient war. Insgesamt sahen die Zuschauer ein packendes, mitreißendes Derby, das zwei herausragende Akteure hatte: Matthias Schlemmer für den SVR und Alexander Degelmann für den TSV. Beide erzielten drei Treffer und assistierten bei dem vierten. Daneben gefielen auf SVR-Seite noch Heiko Walter, Cengiz Seker und Christian Nachtmann, beim TSV ragten ferner die unglaublich fleißigen Gebrüder-Neukam sowie Philipp Efinger heraus. Freilich aber half das Ergebnis keinem Team entscheidend weiter. Beide Mannschaften befinden sich vor dem letzten Spieltag noch in der Bredouille, der SVR mehr als der TSV.

 

STATISTIK

 

SV Röhrenhof gegen TSV Bad Berneck

Tore: 1:0 D. Sauerstein (12.), 1:1 u. 1:2 Degelmann (18. u. 25.), 2:2, 3:2 u. 4:2 Schlemmer (41., 42. u. 53.), 3:4 Degelmann (61.), 4:4 To. Neukam (87.).

Zuschauer: 170.

Schiedsrichter: Helmut Bauer (Oberlangen-stadt) traf beim Elfmeter für den TSV eine klare Fehlentscheidung – und auch beim 3:4-Anschluss durch Alexander Degelmann. Dass der Unparteiische in der zweiten Hälfte fast jeden strittigen Zweikampf zugunsten des TSV wertete, hatten sich die Röhrenhofer ein Stück weit auch selbst zuzuschreiben.

Es spielten (SVR): Riedelbauch – Bauer, Nachtmann, Walter, C. Seker, Akgünes, D. Sauerstein, Zinke, Reinl, Schlemmer, Völkl; Blöm, Druba.

Es spielten (TSV): Uhlig – Wesner, Ti. Neukam, Harreis, Münch, Degelmann, Efinger, Linhardt, A. Kurt, To. Neukam, Nickel; Fuchs, Wolfrum, Hahn.

 


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