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Die kleine Kneipe in unserer Straße

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Das Kleine Rathaus, vor kurzem lediglich ein heißer Geheimtipp, hat sich inzwischen als feste Größe der Bad Bernecker Kneipenszene etabliert. Die Kneipeninhaberin und aktive Wirtsfrau Erika Weigand versteht es, mit ihrer offenen, lebensfrohen Art die Gäste für sich und ihr historisch-uriges Gemäuer zu begeistern.

 

Siggi Stadter und Angelika Münch aus Limmersdorf umspielen mit ihren Schifferklavieren die bravouröse Klarinettistin Monika Lehneis aus Waischenfeld.

Siggi Stadter und Angelika Münch aus Limmersdorf umspielen mit ihren Schifferklavieren die bravouröse Klarinettistin Monika Lehneis aus Waischenfeld.

Es ist Donnerstagabend, halb acht. Der Wirtsraum ist mit fast 50 Gästen schon vollbesetzt. Die frohe Stimmung wird sich in den folgenden Stunden steigern bis zur Ausgelassenheit und in Begeisterungsstürmen ihren abschließenden Höhepunkt finden.

Musikalische Kleinkunst – vieles davon volkstümlich-fränkisch, teils mit bekannten Liedtexten, auch mit bodenständigem Humor erheiternd, frech, aber nie platt, aufgesetzt oder billig – vermag in diesem Ambiente zu zeigen, welch trockener Witz und welche echte Fröhlichkeit in fränkischer Lebensart zu finden sind – auch wenn zwei Oberpfälzer daran mitwirken.

Mit blitzenden Augen unter frechem Hütchen bringt Siggi Stadter nach heiterer Ansage seine Unterhaltungskünstler auf der engen Spielfläche in Stellung.

Die „Oberpfälzer Spitzbum“ Erwin Rühr und Richard Merkel aus Auerbach grüßen mit „Roten Rosen deiner Frau.“ Wiederholt öffnen sie ihre gehaltvolle Schatztruhe.

Die Bayreuther Börschla Manfred Schill und Rudi Kühnel lösten sie ab. Ihr „Liedla vom Dorscht“ bohrte in offener Gästewunde, die aber „Ein Prosit“ alsbald linderte: Der Zapfhahn kam an dem Abend nicht zur Ruhe. Drei Stücke für Konzertina wollten besonders für dieses in Franken heimische Instrument werben.

Siggi Stadter duldete zusammen mit seinen Musikerinnen keine Pause. Zwei Schifferklaviere (Siggi Stadter und Angelika Münch aus Limmersdorf) umspielten die bravouröse Klarinettistin Monika Lehneis aus Waischenfeld. Walzer stimmten zum Schunkeln ein und „der Siggi“ ließ kein Stichwort ungenutzt, das Publikum mit seinem Witz mimisch, theatralisch aufzumischen. Zwischendurch spielte Martina Nickel aus Mehlmeisel mehrmals solistisch mit ihrem Akkordeon auf.

Das Kufsteinlied erweckte endlich den lang erhofften Auftritt des Bad Bernecker Jodlers Robert Liebelt mit seinem „Jodeldiplom“. Zum spätabendlichen Abschluss bestach dieser gar noch mit dem reinen Klang seiner Trompete.

Sage und schreibe acht Musiker hatte „unsere Erika“ wiederum aufgeboten. Trotz ihres unermüdlichen Spiels strahlten Lust und Frohsinn aus ihren Mienen. Sie überboten sich mit ihren abwechslungsreichen Auftritten und eiferten sich gar noch gegenseitig an. Prall füllten Spaß und Spiel den Abend schließlich noch bis weit nach Mitternacht. Nur die Enge der überfüllten Wirtsstube hinderte die lebenslustigen Gäste, auf die Tische zu springen, zu schunkeln und zu tanzen.

Und am Ende waren sich alle einig: „Die kleine Kneipe in unserer Straße, da wo das Leben noch lebenswert ist“, beschreibt das Kleine Rathaus treffend.   Werner Römhildt

 


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