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Die Post hat einen neuen Eigentümer

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Eine echte Problem-Immobilie wie Siemens-Kurzentrum, Hotel Bube oder Altes Krankenhaus war die ehemalige Geschäftsstelle der Deutschen Post in der Maintalstraße zwar nie, unter die Rubrik „schwer vermittelbar“ musste man das markante Gebäude mit seinen 750 Quadratmetern Nutz- und Wohnfläche aber schon einordnen. Schließlich stand es über ein Jahrzehnt lang leer. Die Größe war eher Fluch als Segen. Doch dieser Leerstand war einmal. Es brennt wieder Licht. Dank Carsten Buckenthal. Der Bayreuther Unternehmer hat das Bad Bernecker Post-Gebäude von einer Luxemburger Investmentfirma gekauft, um dort seinen Lebensplan zu realisieren: Wohnen und Arbeiten unter einem Dach.

Online1Carsten Buckenthal war 15 Jahre bei Frenzelit als leitender Angestellter beschäftigt und hat sich danach mit seiner Firma „Buckenthal’s Horse Blankets“ selbständig gemacht. Wie sich vom Firmennamen unschwer ableiten lässt, produziert und vertreibt das kleine Unternehmen hochwertige, individuell gestaltete Pferdedecken und –bandagen, gestrickt aus Schurwolle. Das Geschäft läuft gut. Die Produktion in der Bayreuther Karl-von-Linde Straße stieß schnell an ihre Grenzen und so machte sich der 1958 in Niedersachen geborene Geschäftsmann schon im vergangenen Jahr auf die Suche nach geeigneteren Räumlichkeiten. Dabei inspizierte er zunächst die ehemalige Post-Geschäftsstelle in Gefrees und zwei andere Immobilien in Bad Berneck: den Gasthof Grüner Baum in Goldmühl und den Gasthof Blumenau. Beide erwiesen sich als ungeeignet, weil entweder zu baufällig oder mit problematischen Mietverhältnissen behaftet.
Aber Bad Berneck hatte er ohnehin auf dem Zettel – zentrale Lage, gute Autobahnanbindung und das Idyll einer Kleinstadt. Fündig wurde er schließlich bei der ehemaligen Poststelle in der Maintalstraße. „Das anfänglich fast zu große Haus, erwies sich bei genauerem Hinsehen und Betrachten der Skizzen und Grundrisse als absolut geeignet“, berichtet Carsten Buckenthal, wie die anfängliche Skepsis schnell in Begeisterung umschlug. Die Euphorie steigerte sich noch, als er bei der Besichtigung feststellte, dass das über zehn Jahre leer stehende Gebäude technisch in einem einwandfreien Zustand ist: „Baustruktur in Ordnung, Dach in Ordnung, Keller in Ordnung. Und der Clou: Ich habe auch noch genügend Parkplätze. Das ist ja eine absolute Rarität in Bad Berneck.“
Auch wenn die Substanz passt, renovieren, modernisieren und energetisch sanieren will er trotzdem – peu à peu. In diesem Jahr die Fenster tauschen, im kommenden Jahr die Fassade verschönern. Auch das markante gelbe Posthorn-Logo an der Frontseite wird bald dem neuen Firmenschild weichen. Überhaupt hat er sich vorgenommen, den Post-Charakter verschwinden zu lassen und das Flair der ehemaligen Stadtvilla wieder zum Vorschein zu bringen. Obwohl die Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahen noch nicht einmal begonnen haben, eingezogen ist Carsten Buckenthal trotzdem schon. „Ich habe hier schon ein paar Mal geschlafen. Es war phantastisch, absolut ruhig. Wesentlich angenehmer als ich es erwartet hatte.“
Seine konkreten Nutzungspläne: Im Erdgeschoss soll die Produktion seiner Firma einziehen, im ersten Stock die Büroräume nebst selbst genutzter Wohnung. Zwei weitere Wohnungen im zweiten Stock will er vermieten. Auch über einen Werksverkauf in der Maintalstraße denkt er nach. „Aber nur wenn XXXL-Lutz nach Himmelkron kommt. Geht man nämlich davon aus, dass täglich rund 2000 bis 2500 Kunden nach Himmelkron kommen und dass darunter rund zehn Prozent Pferdefreunde sind, so müssten sich diese doch auch nach Bad Berneck locken lassen…“ Das aber ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart werden da, wo einst Pakete über den Tresen gingen, Briefe abgestempelt und Postfächer bestückt wurden, Pferdedecken gestrickt, verziert, verpackt und versendet. In ein lange leer stehendes Haus ist wieder Leben eingekehrt.


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