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„Die schmecken nach mehr, die Medaillen“

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Ein Schützenvorsitzender und ein Schützenmeister, die den Faden verlieren und eine Nina-Laura Kreutzer mit Tränen in den Augen. Schon diese Anzeichen deuteten darauf hin, dass Außergewöhnliches passiert sein muss. Und in der Tat geschah in der vergangenen Woche Einmaliges: denn die Bad Bernecker Nina-Laura Kreutzer wurde Doppelweltmeisterin und wohl erst so langsam wird allen bewusst, was für große Dinge die 19-Jährige da geleistet hat. So wurde auch der Empfang, den es am vergangenen Sonntag zu Ehren der Sportschützin gab, zu einem einmaligen Tag in der Stadtgeschichte.
Für den Empfang war standesgemäß der Eventzio-Saal im Kurhaus vorgesehen worden. Zunächst wurde die Weltmeisterin unter Musikbegleitung der Untersteinacher Blasmusik zuhause abgeholt. Da Nina-Laura Kreutzer bekanntermaßen gleich vis-à-vis des Kurhauses wohnt, führte der nachfolgende Umzug zunächst zumindest bis zur Postbrücke.
Dort warteten dann schon die vereinten Böllerschützen des Schützengaus Oberfranken-Süd, die einen dreifachen Ehrensalut für die Weltmeisterin abschossen. Womit die Oberstadt an den Termin erinnert wurde.
Danach ging es erneut im Festzug in den Kurhaussaal, wo zunächst Schützenvorstand Erwin Kurz die große versammelte Schützenfamilie begrüßte. „Ninas großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen“, verriet er. „Sie hat mit ihrer WM-Teilnahme einen großen Sprung gemacht“.
Doch zunächst gab es dann von Schützen-Vorstand Erwin Kurz ein besonderes Geschenk, ein graviertes Herz mit aufgesetztem Gewehr und Ziel in der Mitte, „weil ihr Herz am Schießsport hängt“ und das aufgesetzte Gewehr, „weil sie immer in die Mitte trifft.“ Dann stieß der komplett gefüllte Saal gemeinsam auf die zweifache Weltmeisterin an. Bevor ein Handy kurz die Feierlichkeit unterbrach. Am Apparat Gau-Schützenmeister Volker Gottfried, der auf der Rückreise vom Trachten- und Schützenumzug in München im Stau stehend, zumindest telefonisch Glückwünsche überbringen wollte.
„Ihr seht, das ist alles live“, so Baldauf, der dann eine Präsentation mit Bildern der bisherigen Stationen der Karriere von Nina-Laura Kreutzer vorbereitet hatte. „Da waren einige Väter des Erfolges“ , erklärte er. Wobei der erste Schritt am Anfang der Karriere ein Schießen im Rahmen des städtischen Ferienprogramms war. Peter Baldauf selbst erkannte dann das Talent und holte sie zu den Bad Bernecker Schützen. Er empfahl sie allerdings auch gleich dem Stützpunkttrainer Wolfgang Nickl weiter. „Alles ging rasend schnell“, war eine Folie der Präsentation überschrieben, die das Geschehen der letzten Jahre treffend zusammenfasste. Und eine Übersicht zeigte eindrucksvoll, wie schnell es ging. 2007 gelang Kreutzer im Team der Vizemeistertitel der A-Klasse, 2010 war sie schon Aufsteiger in die Bezirksliga mit Bad Berneck und es stand der Wechsel in die Bundesliga zur SG Coburg an. Wobei sie, was die Bundesliga betraf, „über Nacht in kalte Wasser geschmissen wurde.“
Bei den Meisterschaften lief es ganz ähnlich: 2007 gab es schon den 1. Platz in der Mannschaftswertung in der 3-Stellung-Mannschaftswertung bei den Deutschen Meisterschaften zu feiern. 2008 folgte dann schon ein Empfang der

Ein Herz schenkten Nina-Laura Kreutzer ihre Schützenkameradinnen und -kameraden aus Bad Berneck. überbracht von Vorstand Erwin Kurz (li.) und 1. Schützenmeister Peter Baldauf.

Ein Herz schenkten Nina-Laura Kreutzer ihre Schützenkameradinnen und -kameraden aus Bad Berneck. überbracht von Vorstand Erwin Kurz (li.) und 1. Schützenmeister Peter Baldauf.

dreifachen Deutschen Meisterin. Dann gab auch schon erste Erfolge auf Europäischer Ebene, 2012 folgerichtig einen Empfang der Vizeeuropameisterin und schon 2013 die EM mit der Mannschaft in Dänemark. Aber auch den Titel „Frankens Nachwuchssportlerin 2013“ sicherte sich Nina-Laura-Kreutzer. Und nun ein doppelter Weltmeistertitel, was übrigens nicht nur in der Kurstadt, sondern bei den Schützen oberfrankenweit einmalig ist.
Und die Erwartungen sind auch weiter hochgesteckt: „Die schmecken nach mehr, die Medaillen“, so Peter Baldauf. „Danke, für die wundervollen Momente, bisher“.
Die Schar der Gratulanten startete dann bei 2. Bürgermeister Alexander Popp, der auch scherzhaft den Blick auf den Saal richtete und warnte: „Liebe Männer, Ihr dürft Euch warm anziehen“. „Du bist ein Riesenvorbild und Aushängeschild“, lobte er mit Blick auf die Schützin weiter. Außerdem hatte er das Goldene Buch der Stadt mitgebracht, in dem sich Nina-Laura Kreutzer nun also als Doppelweltmeisterin verewigen durfte.
Falls das Goldene Buch der Stadt wegen der Schützin voll sei, werde sie für Ersatz sorgen, erklärte dann die Landtagsvizepräsidentin Inge Aures scherzhaft als nächste Gratulantin. „Schützen-Nina, zwei Mal hat´s gekracht“, dichtete sie einen bekannten Schlager um.
Ihre Landtagskollegin Gudrun Brendel-Fischer überbrachte auch die Grüße des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk und ihres Kollegen Martin Schöffel. „Es ist für die gesamte Region eine tolle Sache“, so Brendel-Fischer. „Mit 19 Jahren etwas ganz Besonderes.“
„Sie sind eine Botschafterin“, ergänzte Christa Reinert-Heinz, die Landrat Hermann Hübner vertrat, zu den Verdiensten. Die gezeigten Eigenschaften Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit seien auch im täglichen Leben gefragt.
Aber auch Vertreter des Schützengaus gratulierten und ließen Worte des Dankes folgen. Die beiden stellvertretenden Schützenmeister Rudi Bock und Thomas Höflich wiesen auch auf die Hilfsbereitschaft der Schützin hin. „Du kommst in die Vereine und vermittelst Dein Wissen“, berichteten die beiden. „Vielleicht sehen wir Dich bei den Olympischen Spielen wieder“, nannten die beiden Gauvertreter einen Wunsch für die Zukunft.
Die Schlussworte des offiziellen Teils gehörten dann Nina-Laura Kreutzer selbst, die den Vätern des Erfolgs, ihrem Entdecker Peter
Baldauf, ihrem Stützpunkttrainer Wolfgang Nickl und – nun sichtlich bewegt – vor allem ihrem Vater Günther dankte. Der sie in Granada übrigens das erste Mal nicht auf einem Wettkampf begleitet hatte. Weshalb die Rückkehr auf dem Frankfurter Flughafen auch ein Stück weit Bekämpfung von Heimweh war.
Nachfolgend erhielt Nina-Laura Kreutzer zunächst stehende Ovationen, ehe der offizielle Teil des Empfangs endete und es begann eine gemütliche Feier von Schützenfamilie, Bad Berneckern und der Familie.
Harald Judas

 


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