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Ein Auer geht, ein Auer kommt

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Wenn Werner Seifert am 31. Januar des nächsten Jahres in Rente geht, wird ihn sein ehemaliger Lehrling beerben. Seit letzter Woche ist bekannt, wer den Posten des geschäftsführenden Beamten im Bad Bernecker Rathaus ab 2015 übernimmt. Es ist Christian Hohlweg, 33 Jahre alt, wohnhaft in der Blumenau und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein vertrautes Gesicht. Er ist bislang noch Kämmerer bei der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast, wechselt aber schon am 1. Oktober in seine Heimatkommune zurück.

Christian Hohlweg machte das Rennen, er setzte sich gegen 13 Bewerber durch. „Einstimmig“, so sagt Erster Bürgermeister Jürgen Zinnert, habe der Stadtrat für Christian Hohlweg plädiert. Und auch Werner Seifert kann mit dieser Lösung „sehr, sehr gut leben“. Man möchte ihm fast entgegnen: Es wäre schlimm, wenn nicht. Schließlich war es der 62-jährige Geschäftsleiter höchst selbst, der seinen Nachfolger in spe ab 1997 als Lehrling unter seinen Fittichen hatte, ihn quasi für das Leben in einer städtischen Verwaltung begeisterte. Abzusehen, so sagen beide, war das vorläufige Ende mit der freundlichen Übernahme der Bad Bernecker Geschäftsleiterstelle damals noch nicht.

Sie können gut miteinander: Werner Seifert (li.) und Christian Hohlweg bei der Kommunalwahl 2008.

Sie können gut miteinander: Werner Seifert (li.) und Christian Hohlweg bei der Kommunalwahl 2008.

Es gibt weniger Parallelen zwischen Vorgänger und Nachfolger als man zunächst glauben mag. Natürlich, beide sind waschechte Auer, also in der Blumenau wohnhaft, und auch stolz darauf. Und beide begannen ihren beruflichen Werdegang im Bad Bernecker Rathaus. Das war es dann aber auch schon. Während Werner Seifert der Bahnhofstraße 77 immer die Treue gehalten hat, ist Christian Hohlweg im Anschluss an seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und der Fortbildung zum Verwaltungsfachwirt ausgezogen und schon mächtig herumgekommen. 2009 hat er die heimischen Gefilde verlassen, ging zuerst nach Warmensteinach, war dort Kämmerer. Ende 2010 wechselte er nach Mistelbach und kümmerte sich auch bei der dortigen Verwaltungsgemeinschaft, die in etwa der Größe Bad Bernecks entspricht, um die Finanzen. Anfang dieses Jahres wechselte er nach Trebgast, wieder als Finanzchef, ehe er nun die nächste Stufe erklimmt. „Es war nicht überall alles positiv“, sagt Christian Hohlweg, „aber jede Station hat mich ein Stück weiter gebracht“.
Genau diese große Erfahrung, die der ja erst 33-Jährige bislang gesammelt hat, habe auch den Stadtrat beeindruckt, verrät Jürgen Zinnert. Daneben war es für den neuen Geschäftsleiter sicher kein Nachteil, dass er die Abläufe, die meisten Mitarbeiter und auch das Haus sehr gut kennt. Das Haupteinstellungskriterium, so betont das Stadtoberhaupt mit Nachdruck, war die Verwurzelung mit der Kurstadt aber nicht. „Wir haben uns im Stadtrat intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob das überhaupt gut ist, einen Geschäftsleiter aus den eigenen Reihen zu nehmen, quasi ein Ziehgewächs. Wir wollten jemanden haben, der sich nicht scheut, eingefahrene Strukturen aufzubrechen.“ Letztlich habe „eine sehr überzeugende Vorstellung“ vor dem Stadtrat den Ausschlag für Christian Hohlweg gegeben. „Wir trauen ihm zu, dass er nicht alles eins zu eins übernimmt, innovativ denkt und Veränderungen herbeiführt.“
Freilich weiß auch der 33-Jährige um die Herausforderung, die ihn hier erwartet. Und falls doch nicht, so ruft Werner Seifert ihm diese noch einmal ins Gedächtnis, wenn er sagt, dass früher – er meint bis Anfang der 90er Jahre – alles so einfach war. „Da ist die Stadt vergleichsweise im Geld geschwommen, andere Gemeinden haben neidisch zu uns herübergeschielt und das Landratsamt hat sich null dafür interessiert, was wir hier machen.“ Heute – und das muss er dann gar nicht mehr sagen – ist das nicht mehr so. Jede Pflichtaufgabe ist eine Bürde, jede freiwillige Leistung ein Balanceakt und immer mit im Boot: das Landratsamt als Aufsichtsbehörde.
Christian Hohlweg schreckt das nicht ab. Er war in Warmensteinach, „wo es vielleicht sogar noch ein bisschen schwieriger ist als hier“. Er weiß auch, wie es ist, wenn man nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss. Erlebt hat er das in Mistelbach. Und er weiß ganz genau um die Situation in Bad Berneck. Er sagt selbst: „Bis zum Konsolidierungskonzept haben hier doch alle in der Vergangenheit geschwelgt.“ Mittlerweile, eigentlich schon mit dem Einzug des letzten Stadtrates, habe er aber schon eine gewisse Aufbruchsstimmung wahrgenommen. Und daran möchte auch er nun teilhaben. Er will etwas bewegen, nicht nur verwalten. wum


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