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Ein Déjà-vu der bittersten Sorte

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Es bleibt dabei: Der TSV Bad Berneck kann gegen den SV Röhrenhof einfach nicht gewinnen. Wie schon in den vergangenen beiden Duellen behielten die Rot-Weißen im Stadtderby auch diesmal die Oberhand, siegten – wieder einmal – verdient gegen den TSV und schafften damit den Anschluss ans hintere Mittelfeld. Der TSV hingegen verlor im Kampf um Tabellenplatz zwei an Boden. Neben dem Verlust der Punkte hatten die Kurstädter auch noch die Hinausstellung von Mittelfeldakteur Tim Reichel zu beklagen, der in der Schlussphase der nicht schönen, aber spannenden Partie die Rote Karte in Folge einer Tätlichkeit sah.

 ONLINE33Alles in allem war es also wieder einmal ein total gebrauchter Tag für die Bad Bernecker. Das Stadtderby ist nicht ihre Sache. Dabei hatten sie sich so viel vorgenommen. Dank zuletzt dreier Siege in Folge hatten sich die Schützlinge von Spielertrainer Klaus Harreis die breite Brust „antrainiert“, die man in solch einem Derby nun einmal braucht. Zudem waren ihnen die letzten beiden schmerzhaften Niederlagen gegen den Kontrahenten nur noch allzu gut im Gedächtnis. „Alle sind heiß auf dieses Derby“, hatte vor Spielbeginn auch der Bad Bernecker Spielertrainer noch einmal versichert. Aber dann… losgesprungen als Tiger und gelandet als Bettvorleger.

„15 Prozent Aggressivität“ hätte seiner Elf gefehlt und in einigen Phasen auch ein kühler Kopf, nannte der TSV-Coach Gründe für die Pleite. „Unsere Mannschaft hat heute ihr Potenzial einfach nicht auf den Platz gebracht. Der Sieg des SVR war zweifelsohne verdient“, bekannte auch TSV-Vorsitzender Jürgen Zinnert und fügte zerknirscht an: „Das ist bedauerlich – ausgerechnet im Derby.“

Ausgerechnet im Derby waren die Gäste aus Röhrenhof bissiger, lauffreudiger und hatten am Ende auch mehr zuzusetzen. Es war wie ein Déjà-vu für die Schwarz-Weißen, die schon die vergangenen beiden Duelle mit Rot-Weiß auf eben diese Weise verloren hatten.   Zusätzliche Ironie des Schicksals, dass mit Kapitän Michael Hacker und Routinier Alexander Pöhlmann zwei langjährige TSV-Akteure zu den Matchwinnern der Gäste zählten. „Solche Typen fehlen uns einfach in der Mannschaft. Typen, die nach einem Rückstand die Ärmel hochkrempeln und die Mannschaft mitreißen“, klagte nach Spielschluss Klaus Harreis. Insbesondere der aus der zweiten Mannschaft nach oben beorderte Pöhlmann bot in der Zentrale eine erstklassige Vorstellung und krönte diese mit dem wichtigen Treffer zum 2:1.

Aber der Reihe nach: Die Partie vor rund 150 Zuschauern und auf tiefem Geläuf begann äußerst zerfahren – viel Mittelfeldgeplänkel, viele Zweikämpfe, viele lange Bälle, kaum einmal ein gut vorgetragener Spielzug. Auch die frühe Bad Bernecker Führung war eher ein Zufallsprodukt – oder besser: ein Zusammenspiel aus einer Energieleistung von TSV-Sturmführer Tobias Neukam und einem kapitalen Schnitzer von SVR-Keeper Marco Riedelbauch. Der Röhrenhofer Rückhalt traf bei dem Versuch eines Befreiungsschlages nämlich den auf ihn zustürmenden Tobias Neukam. Der Ball blieb direkt vor dem SVR-Gehäuse liegen, der Rest war Formsache.

Mit der Führung im Rücken gewann das Bad Bernecker Spiel aber nicht an Sicherheit. Die Partie blieb zerfahren, wobei, wenn überhaupt, die Röhrenhofer Gefahr ausstrahlten. Matthias Schlemmer war ständiger Unruheherd und die nachrückenden Mittelfeldakteure kamen so immer wieder in gute Schusspositionen. „Wir dagegen haben in der ersten Hälfte offensiv gar nicht mehr stattgefunden“, blickte Klaus Harreis zurück.

Nach dem Seitenwechsel wurde es dann aus TSV-Sicht zunächst besser. Und wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wenn sich in Alexander Degelmanns (53.) Schuss aus zehn Metern nicht in letzter Sekunde noch ein Röhrenhofer Abwehrspieler geworfen hätte – so gab es Ecke anstatt Anstoß. Die Rache dieser entgangenen Chance folgte prompt. Ein Missverständnis zwischen Alexander Degelmann und seinem Mannschaftskollegen Michael Back nach einem langen und eigentlich harmlosen Flugball in den TSV-Strafraum eröffnete Michael Hacker die Chance zum 1:1. Er nutzte sie mit der Fußspitze.

Der TSV reagierte wütend, drückte nun auf die erneute Führung und hatte noch eine riesige Gelegenheit: Tobias Neukam scheiterte nach einer mustergültigen Hereingabe von links freistehend aus fünf Metern am Kopf und Kragen riskierenden Marco Riedelbauch, der spätestens hier seinen anfänglichen Patzer vergessen machte. Mehr Kaltschnäuzigkeit im Abschluss bewies auf der Gegenseite keine fünf Minuten später Alexander Pöhlmann, der auf rechts in Szene gesetzt den viel zu zögerlich aus seinem Kasten kommenden TSV-Rückhalt Christopher Uhlig umkurvte und aus spitzem Winkel zur 2:1-Führung einschob.

Gab es nun noch ein Hoffnungsfünkchen für den TSV, spätestens in der 78. Minute war es erloschen: Tim Reichel sah nach einem Gerangel mit Andreas Mulzer die Rote Karte – hart, aber vertretbar. Spätestens jetzt war die Moral des TSV gebrochen. Zumal die Röhrenhofer weiter aufs Gas drückten. „Wir sind heute einmal nicht auseinandergebrochen so wie in so manchen Spielen zuletzt“, urteilte SVR-Kapitän Michael Hacker, der seine überragende Vorstellung mit dem 3:1 krönte. Er war von seinem Spielertrainer Christian Nachtmann mustergültig bedient worden und vollendete aus 16 Metern mit der Innenseite. Keeper Uhlig war machtlos.

 

Fazit des Spiels: Heißeres Herz, kühlerer Kopf – der SVR-Sieg war zweifelsohne verdient. Wie schon in der jüngeren Vergangenheit hatte der TSV Probleme, den Röhrenhofern gerade in punkto Primärtugenden Paroli zu bieten. Die Zweikampfhoheit lag ganz klar auf Seiten des Gastes. Die vorhandenen fußballerischen Tugenden des TSV kamen dadurch viel zur selten zur Geltung. Imponierend war freilich die hohe Laufbereitschaft der gesamten SVR-Mittelfeldreihe. Hier gingen die Gäste als klare Punktsieger hervor und hatten – wie bereits erwähnt – in Hacker und Pöhlmann sowie dem klug agierenden Spielertrainer Christian Nachtmann die herausragenden Akteure. Beim TSV erreichte kein Akteur überdurchschnittliches Niveau.

wum

 


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