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Empörung über BR-Bericht

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Der vergangene BR-Beitrag der Frankenschau (wir berichteten) schlägt inzwischen einige Wellen. Nicht nur unter den Bürgern wird heftig diskutiert, auch Bürgermeister Jürgen Zinnert wurde inzwischen per offenem Brief an den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm tätig.

„Der Beitrag (…) hat alle Menschen in unserer Stadt, die sich mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Weiterentwicklung und Neupositionierung im Bereich des Fremdenverkehrs einsetzen, mit tiefem Entsetzen erfüllt. Mit dieser Sendung ist es wohl tatsächlich gelungen, auch dem letzten potentiellen Gast, der sich für einen Besuch in unserer Stadt halbwegs interessiert, den Aufenthalt gründlich zu vergällen“, wird Zinnert gleich konkret.

„Der Anspruch der Sendung, die Blütezeit des Kurwesens  (…) der heutigen Situation objektiv gegenüber zu stellen, konnte nicht annähernd erfüllt werden“, stellt dann der Bürgermeister klar fest.

„Umso nachhaltiger und deshalb gerade so erschreckend gelang dies mit so manch hanebüchener Falschaussage in diesem Machwerk. So wurden Übernachtungszahlen mit Gästeankünften verwechselt, die Neuen Kolonnaden im Kurpark als tote Kur-Reliquien ohne heutiges Veranstaltungsangebot dargestellt, die Kneippkur im ehemaligen Kurmittelhaus als seit dem Jahr 2010 neu eingeführt erklärt und mit einem Schwenk über das gewiss herunter gekommene, jedoch in Privatbesitz befindliche Hotel Bube die für alle Beherbergungsbetriebe unserer Stadt geschäftsschädigende und unverschämte Behauptung aufgestellt, Bad Berneck bräuchte heute keine Übernachtungseinrichtungen mehr.“

Kein Wort falle hingegen „zum dichten Wander-, Nordic-Walking- und Fahrradwegenetz. Kein Wort zum Dendrologischen Garten, zur Romantikbühne oder zur Burgendichte aus den unterschiedlichen Bauepochen auf engstem Raum. Die vor einigen Jahren mit Millionenaufwand erfolgte Generalsanierung des Hotels Lindenmühle interessierte genauso wenig wie die gastronomische Vielfalt mit hohem qualitativen Anspruch. Die Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Theatersommer und dem Künstlerverein focus europa e.V., die Installierung einer 700 Meter langen Kunststraße durch das Herz unserer Stadt, die Durchführung mehrerer Kunstausstellungen und die zahlreichen Inszenierungen der Landesbühne Oberfranken an den unterschiedlichsten Orten in Bad Berneck waren keine Erwähnung wert.“

Weiter mutmaßt Zinnert, dass sich der Redakteur so manches Mal sogar die Ohren zugehalten habe könnte, wenn es etwa um die „Darstellung des modernisierten Kneipp-Angebotes,“ die „Förde-rung präventiver Gesundheitsangebote“ oder der Einführung der neuen Symbiontic-Kur“ oder die „dreiwöchigen Ausbildungen zu Kneipp-Gesundheitstrainern“ oder auch „Theater- und Musikveranstaltungen“ bzw. die „derzeitige Generalsanierung des ehemaligen Kindergartens zu einem großartigen Fichtelgebirgs-Kulturzentrum“ ging. Und auch das breite „Veranstaltungsangebot oder die vielfältigen Aktivitäten des Stadtrats und des neu gegründeten Arbeitskreises Tourismus“ seien offensichtlich nicht der Rede wert! Das Ganze ging dann sogar soweit, dass die Entwicklung der in den letzten Jahren stabilen Gästezahlen obwohl zwar noch am Donnerstag vor der Sendung angefordert, dann wohl weil zu positiv nicht sendetauglich waren.

„Wir erwarten uns eine in allen positiven und negativen Aspekten ausgewogene und der Realität entsprechende Berichterstattung“, stellte Zinnert heraus. Diese dürfe keinesfalls dazu führen, dass ausgerechnet den arg gebeutelten Fremdenverkehrsorten in den außerhalb der Ballungsgebiete liegenden Regionen endgültig das Licht ausgeblasen werde. „Die äußerst einseitige Bestandsaufnahme“ sei jedenfalls „eine schallende Ohrfeige für diejenigen, die sich bei leeren Kassen, jedoch mit viel Engagement und Phantasie dem Abwärtstrend entgegenstemmen“ gewesen.

„Das Mindeste, was wir uns alle in Bad Berneck wünschen würden, wäre ein weiterer Sendebeitrag, der mit derselben mächtigen Durchschlagskraft den Zuschauern die vielen vorhandenen positiven Seiten unserer Stadt und unserer Region vor Augen führt“ brachte Zinnert die Stimmung auf den Punkt.

Aber auch von Seiten der Bürger kam bereits Protest. Elfriede Schreier hat ihrem Ärger in einer Protestmail Luft gemacht. Sie hat darauf hingewiesen, dass  als „eine Rundfunkgebühren zahlende Bürgerin“ sowie „Vermieterin von Ferienwohnungen in Bad Berneck“ eine gewisse Erwartung an einen qualifizierten Journalismus habe.

Und sie ergänzt, dass die Darstellung „alle Bemühungen und Fortschritte in Bezug auf Neuausrichtung des Begriffes Kur zunichte“ machen würde. „Unfair“ und „geschäftsschädigend“ sei dies. Schreier vermutet, dass wohl auch absichtlich in der tristesten Jahreszeit gedreht wurde und auf das bestehende Kneipp- und Gesundheitshaus „radus“ nicht eingegangen werde. „Auch ein Hinweis auf die vielen kleinen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen wäre schön gewesen“, weist die engagierte Bürgerin hin. „Es wäre nur recht und billig gewesen, den unzweifelhaft vorhandenen positiven Seiten unseres schönen Ortes eine Chance zu geben, anstatt alles kaputt zu reden“, redete sie gewiss den meisten aus der Seele.

„Ganz klar, das war nicht in Ordnung“, fand auf Anfrage Joachim Beth, der darauf hofft, dass als Wiedergutmachung ein positiverer Beitrag folgt.

„Dieser Fernesehbeitrag war nicht ausgewogen und unfair“, findet auch Hans Margraf, der Sprecher des AK Tourismus. „Wobei die Aufgabenstellung schon vermuten ließ, dass es nicht gerade ein sehr positiver Bericht über unsere Stadt werden könnte“, ergänzt er noch. „Dies ist dann leider auch so passiert, denn ein Vergleich der Boomjahre mit der Jetztzeit kann einfach nicht positiv dargestellt werden“, bleibt er Realist und denkt auch weiter. Denn letztlich sei der Bericht eine Betrachtung von einem Außenstehenden, die auch dazu auffordert jetzt erst recht zusammenzustehen, gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln und die Hausaufgaben zu erledigen.   H. Judas

 


  1. Gewinner says:

    Ich versteh die ganze Aufregung gar nicht. ich lebe seit 50 Jahren in Bad Berneck und habe den „Niedergang“ live miterlebt. Wenn jetzt jemand der Öffentlichkeit mal sagt wie´s ist, dann ist das Geschrei groß.
    Glaubt mir, ich liebe meine Heimat, sonst wäre ich schon längst nicht mehr hier. Aber was kann denn Berneck schon ausser Natur und Wanderwege bieten? Symbiotik? Das ich nicht lache.
    Der Gast fragt sich bei seiner Planung: „Was hat Berneck was ich sehen, haben, erleben will?“ Und da gehört eine ausgestorbene Infrastruktur in der Oberstadt, die sich den vertuschenden Namen „Kunstraße“ gibt, bei der in alten heruntergekommenen Häusern ein paar Bilder hängen mit Sicherheit nicht dazu.
    Die Entwicklung wurde über Jahre schon seit Zeiten von BM Wein/Wirth/Albert verpennt. Wo blieben Bohrungen nach einem „Heilwässerle“? DAMIT hätte man die Kur hochleben, und Menschen nach Berneck holen können. Aber ein Bernecker „Braung mer net“!!! war ja als Antwort klar. Jetzt ist der Zug abgefahren. Andere Gemeinden (z.B. Staffelstein) waren da schlauer.

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