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Herz und Hirn siegt im Sommerkick

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Es bleibt so wie es die vergangenen vier Jahre war: Die fußballerische Vormachtstellung im Bad Bernecker Stadtgebiet hat der SV Röhrenhof inne. Bestens belegt wurde dies am vergangenen Wochenende mit einem überaus verdienten 2:0-Erfolg der kampfstraken Rot-Weißen über eine komplett enttäuschende Gästemannschaft aus der Kurstadt. Mit Herz und Hirn siegten die im ersten Spiel (0:3 in Weidenberg) arg gebeutelten Nachtmann-Schützlinge gegen eine Bad Bernecker Elf, die daherkam wie ein müder Haufen.

 

Cengiz Seker (links) im Duell mit Sergej Schumacher.

Erwartet worden war ein spannendes, rassiges, hartumkämpftes und auf des Messers Schneide stehendes Stadtderby. Herausgekommen ist ein über weite Strecken müder Sommerkick vor einer weit kleineren Kulisse als erhofft. Mit gerade einmal 210 Besuchern blieb das erste Stadtderby im Punkstpielbetrieb seit dem Jahr 2000 auch in punkto Zuspruch weit hinter den Erwartungen zurück.

Aber auch wenn SVR-Platzkassier Albert Bauer etwas enttäuscht gewesen sein dürfte, im sportlichen Bereich war die Freude groß – vor allem nach dem dürftigen Saisonstart. Natürlich hatten die Schützlinge von Spielertrainer Christian Nachtmann kein mitreißendes Fußballfest veranstaltet, aber dafür umso mehr überzeugt mit großer Aggressivität, taktischer Disziplin und Effizienz vor dem Tor. Dem TSV hingegen musste man alle fußballerischen Primärtugenden absprechen. Was jedem TSV-Anhänger schon in einem „normalen“ Punktspiel die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätte, dieser Auftritt im Nachbarderby machte fassungslos. So war auch Gäste-Spielertrainer Klaus Harreis ratlos ob des phasenweise unterirdischen Auftritts seiner Mannen. „Komplett leblos, ohne Feuer. Einige sind rumgetappt wie Falschgeld“, resümierte der 41-Jährige zerknirscht. Eine Antwort auf das Warum hatte auch er nicht parat. An der Personalsituation jedenfalls kann es nicht gelegen haben, denn auch der SVR konnte bei weitem nicht aus dem Vollen schöpfen.

Wie gesagt, beide Teams hatten vor und kurz nach dem Anpfiff mit personellen Problemen zu kämpfen gehabt. Während beim SVR Daniel Sauerstein, Sebastian Hübner, Patrick Bauer und Michael Reinl im Urlaub weilten, sich André Hirschmann im ersten Spiel in Weidenberg schwer verletzt hatte und nach nur fünf Minuten auch noch Kapitän Michael Hacker das Feld verletzungsbedingt räumen musste, fehlten beim TSV mit den drei Urlaubern André Russ sowie Tobias und Timo Neukam drei Spieler aus der Abteilung „Attacke“. Doch reagierten beide Mannschaften auf die Personalprobleme höchst unterschiedlich. Röhrenhof rückte noch enger zusammen, dem TSV hingegen schien jegliche Aggressivität abhanden gekommen zu sein.

 

Strohfeuer am Anfang

 

Einzige Ausnahme waren die Anfangsminuten. Da hätten Maximilian Völkl (2.) – er verzog aus aussichtsreicher Position – und Sean Leistner (8.), der nach schönem Alleingang nur mehr ein Schüsschen auf das Tor von Marco Riedelbauch abgab, ihre Farben bereits in Front bringen können. Es war nur ein Strohfeuer. Nun kamen die Platzherren in die Partie, machten die Räume eng und gingen kompromisslos in die Zweikämpfe. Auch wenn sie dabei keine Torgefahr ausstrahlten, so hatten sie die Partie jetzt im Griff, zumal der TSV zunehmend fahrig wirkte, kaum mehr Konstruktives zustande brachte, sich hanebüchene Stock- und Abspielfehler leistete. Und noch etwas, was gerade die vielen Anhänger aus Bad Berneck hörbar wurmte: Die Schwarz-Weißen zeigten keine Reaktion, bäumten sich nicht auf gegen das drohende Unheil!

Auch nicht nach dem Pausentee. Der SVR blieb bissiger, behielt die Ordnung und strahlte über seinen Spielertrainer Christian Nachtmann, Matthias Schlemmer und den wieder in die Stammelf berufenen Hasan Seker zumindest ein bisschen Torgefahr aus. Gerade dieses Dreieck war stets präsent.  In der SVR-Abwehr hielt Jens Bastobbe die Fäden souverän in der Hand, ohne eine außergewöhnliche Leistung abrufen zu müssen. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich der SVR belohnen würde. Er tat es in der 54. Minute durch Christian Nachtmann. Mit einem platzierten Flachschuss bestrafte er einen leichten Ballverlust des TSV und ließ Keeper Uhlig keine Chance.

Erst jetzt kam der Gast etwas besser ins Spiel, was aber nur daran lag, dass sich die Rot-Weißen leicht zurückzogen. Gefahr für das SVR-Gehäuse aus der nun leichten optischen Überlegenheit des TSV resultierte nicht. Bezeichnend für das harmlose Offensivspiel des TSV war folgende Szene in der 65. Minute: Als ein Anhänger des TSV SVR-Goalie Marco Riedelbauch zurief, er möge doch einmal einen Schuss reinlassen, antwortete der Bärnreuther schlagfertig: „Ja, welchen denn?“. In der Tat waren die Ballberührungen des SVR-Keepers an einer Hand abzuzählen. Die Bad Bernecker hatten überhaupt nur noch eine Chance. Die vergab Maximilian Völkl (72.), als er aus zwölf Metern neben den Pfosten zielte. Besser machte es wieder einmal der Gastgeber: Ein Konter über Matthias Schlemmer, brachte dann die endgültige Entscheidung. Hasan Seker lauerte am langen Pfosten, rutschte in die Hereingabe von Schlemmer und drückte zum 2:0 ein. Bad Berneck fand auch danach nicht mehr statt, die „Nacht-männer“ schaukelten das Ergebnis locker über die Zeit.

 

Fazit des Spiels: Mit Spannung und viel Vorfreude erwartet, hielt das lange ersehnte Stadtderby nicht, was es versprach. Auch wenn sich der SVR den Sieg aufgrund seiner taktischen Disziplin und Einsatzbereitschaft redlich verdiente, so war auch bei den Rot-Weißen spielerisch noch einiges Stückwerk. Imponierend jedenfalls war die Geschlossenheit der Röhrenhofer, die zudem eine klare Strategie aufwiesen und diese auch umsetzten. Ihnen merkte man an, dass hier ein Derby ausgespielt wurde. Der TSV hingegen enttäuschte auf ganzer Linie. Diesmal waren für die Bad Bernecker auch die verteilten Gelben Karten ein Beleg des Dilemmas: Der TSV bekam nur eine. Klaus Harreis erhielt sie – wegen Meckerns. Bezeichnend auch: Die Aktivposten beim TSV waren mit den Einwechselspielern Tobias Resch und Sergej Schumacher die zwei Spieler, die keine einzige Trainingseinheit absolviert hatten. Auch dass der SVR in seinem Spielbericht vermeldete, dass das innerstädtische Kräftemessen betont fair und in freundschaftlicher Atmosphäre abgelaufen war, sollte den Bad Berneckern zu denken geben.

 


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