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„Ich glaube fest an den Kulturtourismus“

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Im vergangenen Jahr wurde das Jean-Paul-Jubiläum gefeiert, nun widmete die Kurstadt dem oberfränkischen Poeten ein ganzes Wochenende. Mit dem Konzept der Jean-Paul-Tage hat Bad Berneck einen erfolgreichen Start hingelegt.

ONLINE5„Mit dem Programm bin ich äußerst zufrieden“, begann der künstlerische Leiter, der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz, sein überaus positives Fazit des Wochenendes. „Sehr, sehr abwechslungsreich“ hatte er das Wochenende konzipiert. „Viele haben mich angesprochen“, erzählt Schatz. Und das Erfreuliche, die Meinungen war „überwältigend positiv“.
Schon am Freitag hatte das Programm ins Schwarze getroffen. Der Kulturjournalistin Dr. Cosima Lutz gelang dabei ein „portionierter Vortrag“ – wie es Schatz ausdrückte, der bei den Leuten gut ankam. Und die Köchin Beate Roth sorgte für kulinarische zeitgenössische Genüsse und erklärte dabei umfangreich die Essgewohnheiten der damaligen Zeit. Mit über 40 Teilnehmern wurden ziemlich genau die Erwartungen erfüllt Dieser unterhaltsame Abend bot einen Einblick in die Esskultur der Jean Paul-Zeit. Zum portionierten Vortrag gab es kleine, anmutig in Gläsern und auf Tellern angerichtete Speisen.
Der Maler und Zeichner Ludwig Richter stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Elisabeth Böhm von der Universität Bayreuth, der ebenfalls sehr gut ankam. Seine um 1850 als Radierung verbreitete Zeichnung „Berneck“ hat weite Verbreitung gefunden. Interessant dabei, dass die Skizzen zu der Zeichnung im Rahmen einer Reise entstanden, die in Bad Berneck begann. Die 35 Zuhörer empfand Hans-Jürgen Schatz als „absolut in Ordnung“. Berühmt wurde Richter durch seine Illustrationen der Grimm‘schen Märchen, die im Mittelpunkt der Märchenstunde am Sonntag standen. Der Termin, bei dem etwas mehr Zuspruch von Kinderseite sicher wünschenswert gewesen wäre. Aber auch an dem Termin gab es „wirklich keine negative Stimme“, wie es Hans-Jürgen Schatz ausdrückte.
Nicht so ganz zufrieden zeigte sich Schatz nur mit dem Zuspruch beim Ausflug in Jean Pauls musikalische Welt. Waren doch immerhin fünf Vertreter der Berliner Philharmoniker in die Dreifaltigkeitskirche gekommen. Und zwar um Musik zu spielen, die eigens für den Abend ausgearbeitet worden war. „Es wäre andernorts sicher voller gewesen“, mutmaßt Hans-Jürgen Schatz angesichts von gut 100 Zuhörern, die sich indes genussvoll am Wechselspiel zwischen Rezitation und Musik erfreuten. Und so endete der Abend auch mit stehenden Ovationen. Die Musikfreunde, die gekommen waren, waren jedenfalls auf ihre Kosten gekommen.
Das Wochenende insgesamt hatte auch durchaus prominente Gäste. Begeistert war beispielsweise Horst Pillau, Hörspiel– und Drehbuchautor, der mit seiner Frau Susanne drei Tage lang vor Ort war. Ebenso die Witwen von Hermann Prey und Peer Schmidt, sowie Künstler Stephan Klenner-Otto.
Aber auch der Festgottesdienst mit zahlreichen Besuchern bot eine bemerkenswerte Kombination. Hans-Jürgen Schatz las aus der „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“ und Dr. Jürgen Wolff widmete dem Text seine Predigt.
Positiv auch die Stimmen im Internet: Der Goldkronacher Künstler Volker Wunderlich beispielsweise schwärmte: „Auch der Gottesdienst heute morgen dürfte seinesgleichen suchen. Eine Lesung – brillant und anschaulich – dazu eine tiefgründige Predigt. Rundum gelungen!“ Die Künstlerkolonie-Vorsitzende Sabine Gollner lobte: „Zwei unterhaltsame, lehrreiche Veranstaltungen. Gratulation an das Team!“. Lob gab es auch aus den Reihen der Bad Bernecker Tourist Information: „Es hat alles gut geklappt“, freute sich Sandra Baumann.
Wie Hans-Jürgen Schatz berichtete, habe ihn jedenfalls der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk mitgegeben, er solle sich „bloß nicht entmutigen lassen.“ Wobei Schatz selbst natürlich klar ist, dass eine derartige Veranstaltungsreihe langsam aufgebaut werden müsse. „Wir wollen die Menschen mitnehmen“, so seine Intention. Nun baut Schatz darauf, dass es bis zum kommenden Jahr gelingt, dass von den diesjährigen Besucher „jeder im Freundeskreis wirbt“. Dann erhofft er sich auch noch stärkere Unterstützung der örtlichen Gastronomen. Denn die Jean-Paul-Tage sollen nicht zuletzt eine Veranstaltung sein, die überregional für die Stadt Bad Berneck wirbt. „Wir hoffen, dass sich das als feste Größe etabliert“, sagt auch Sandra Baumann.
Das Programm für kommendes Jahr steht jedenfalls schon jetzt. Vom Freitag, 9. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober 2015, wird es die Wiederauflage der Jean-Paul-Tage, die fortan stets am zweiten Oktoberwochenende ihren festen Termin finden sollen, geben. Dann wieder mit einem Konzert mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und unter anderem dem renommierten Bariton Andreas Schmidt und der Kombination von Rezitation und Musik.
„Die Hauptsache war, dem Ort etwas Gutes zu tun“, sagt Hans-Jürgen Schatz. Ziel erreicht, so das kurze Fazit.


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