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JFG Fichtelgebirge: Im Landkreis eine echte Nummer, zuhause ein Stiefkind

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Im Jahr 2005 vom ASV Nemmersdorf, der SpVgg Goldkronach und dem TSV Bad Berneck eher aus der Not, sprich aus Mangel an Nachwuchskickern, gegründet, ist die Jugendfördergemeinschaft Fichtelgebirge heute eine ebenso eigenständige wie anerkannte Ausbildungsstätte. Die Erfolge, die die sieben in den vier Altersklassen (D- bis   A-Junioren) an den Start gehenden Teams in schöner Regelmäßigkeit feiern, belegen die dort geleistete, nachhaltig gute Arbeit. Das Kuriose allerdings: Während die hiesige JFG im gesamten Landkreis eine echte Nummer ist, nimmt sie gerade bei den vier Stammvereinen (im Jahr 2009 kam der SV Röhrenhof dazu) eher die Rolle des Stiefkinds ein. Das sagt Peter Seibt. Er ist seit drei Jahren Vorsitzender der JFG.

Am vergangenen Mittwoch startete auch die D-Jugend unter Neu-Trainer Jörg Allahut (links) in die Vorbereitung für die neue Saison. Im Hintergrund Torwarttrainer Heiko Vogel.

Am vergangenen Mittwoch startete auch die D-Jugend unter Neu-Trainer Jörg Allahut (links) in die Vorbereitung für die neue Saison. Im Hintergrund Torwarttrainer Heiko Vogel.

 „Es fehlt an Akzeptanz, an Interesse und auch an Unterstützung aus den Stammvereinen. Bei dem einen etwas mehr, bei dem anderen etwas weniger“, kritisiert der 44-jährige Versicherungskaufmann. Und fügt an: „Manchmal habe ich den Eindruck, man sieht uns eher als Konkurrent denn als Partner. Dabei ist es doch die eigene Jugend der vier Vereine, die wir betreuen.“

Großer Zankapfel zwischen JFG und den Stammvereinen sind weniger die gemeinsamen Spiel- und Trainingsstätten – wie man vielleicht meinen könnte – als vielmehr die älteren A-Jugendlichen. Sie sind in der Regel auch in den Herren-Mannschaften spielberechtigt, die Hoheit über den Spielpässen liegt aber bei der JFG. Erst wenn sie grünes Licht signalisiert, darf der jeweilige Jugendliche auch in der Herren-Mannschaft ran.

Da einige der Nachwuchskicker aufgrund ihrer spielerischen Qualität bei den Herren-Teams nicht nur Lückenbüßer, sondern bereichernde Elemente sind, werden sie sehr oft angefragt. Und oft gab es Zustimmung seitens der JFG, wie Peter Seibt sagt. „Es kann aber nicht sein, dass unsere A-Jugendlichen dann vornehmlich in den ersten Mannschaften spielen und dort auch trainieren.“ So sei es aber zuletzt häufiger gewesen. „Leidtragender war dann unser Coach Toni Nüssel, der hin und wieder nur mit sechs, sieben Mann aus dem jungen Jahrgang auf dem Trainingsplatz stand.“ Deshalb wollen Peter Seibt und zweiter Vorsitzender Richard Dietel in der neuen Saison keine Kompromisse mehr eingehen. „Die A-Jugend hat absolute Priorität. Deshalb werden wir zumindest bis zur Winterpause keine Pässe mehr herausgeben.“

Dass dies bei den Stammvereinen auf wenig Verständnis stoßen dürfte, ist nur logisch. Die ersten Dissonanzen traten schon am Rande des Toto-Pokal-Turniers in Röhrenhof zutage. Hier gab man keine Spielerpässe der A-Jugendlichen heraus. Und das obwohl die A-Jugend noch nicht einmal ins Training eingestiegen war, geschweige denn ein Spiel an diesem Wochenende hatte. Was für die Stammvereine kaum nachvollziehbar war. „Ich weiß, das ist auch ein bisschen unglücklich gelaufen. Die Kommunikation war nicht optimal. Aber letztlich stehen wir hinter der Entscheidung. Bis zur Winterpause geben wir keine Pässe mehr heraus.

Abgesehen von der A-Jugend-Problematik läuft es bei der Jugendfördergemeinschaft bestens: erstklassige Kameradschaft, solide Finanzlage, hohe Qualität der Trainer und Betreuer, gut ausgebildete Fußballer, harmonisches Vereinsleben. Unterstrichen wird diese Liste, „die sich noch um einige Punkte verlängern ließe“, durch die nackten Zahlen. So kicken die ersten Mannschaften aller Altersklassen in der Kreisliga, spielen also eine Liga höher als jede erste Mannschaft der vier Stammvereine (Kreisklasse). B- und D-Jugend sicherten sich zudem den Titel bei der Hallen-Kreismeisterschaft.

Zu den einzelnen Altersklassen: Die D-Jugend unter Coach Rudi Weber sei die Überraschungsmannschaft gewesen, lobt der Vorsitzende. Eine laut Peter Seibt überragende Teamleistung habe dazu geführt, dass die D1 lange Zeit um den Aufstieg mitgespielt habe. Zum Schluss sprang ein vierter Tabellenplatz heraus, die zweite Mannschaft kam in der Gruppe auf Platz fünf ins Ziel. Hier gab es allerdings auch einen Wermutstropfen: Die dritte Mannschaft musste aufgrund von Spielermangel im Frühjahr aus dem Spielbetrieb genommen werden. Der 44-Jährige dazu: „Das ist zwar schade, aber wenigstens haben wir es versucht. Jetzt haben wir gesehen, dass wir auch in Zukunft nur auf die Kinder bauen können, die regelmäßig trainieren und auch voll hinter der Sache stehen.“

Die C-Jugend, die relativ gut angefangen hat, kam gegen Saisonende mehr und mehr in die Bredouille. Zum Schluss stand das Team von Martin Horn – auch bedingt durch großen Personalmangel – sogar schon mit einem Fuß am Abgrund, schaffte aber dann doch den Klassenerhalt. „Hier verlief die Entwicklung schleppend, wobei sich auch Konfirmanden-Unterricht, Feuerwehr und andere Aktivitäten negativ auswirkten“, so Peter Seibt.

Zeigte das Formbarometer der C-Jugend eher nach unten, so war es bei der B-Jugend umgekehrt. Eine von Coach Rainer Fuchs vorgenommene Systemumstellung zeitigte zunächst keine Erfolge. Vor der Winterpause aber ging es steil bergan. „Ein überragender Teamgeist – auch dank der Jungs aus der zweiten Mannschaft“ trug sein Übriges dazu bei, dass man schon frühzeitig den Klassenerhalt perfekt machte. „Eine super Entwicklung“, lobt der JFG-Vorsitzende.

„Weit mehr drin gewesen“ wäre bei der A-Jugend: Da ist sich Peter Seibt sicher. Zwar könne man die erstklassige Arbeit von Coach Toni Nüssel nicht hoch genug bewerten – auch vor dem Hintergrund der dünnen Personaldecke -, andererseits wäre ein Aufstieg durchaus im Bereich des Möglichen gewesen. Schließlich hatte die U19 nur fünf Punkte Rückstand, hatte ein Spiel kampflos abgeben müssen und war erst recht spät in die Gänge gekommen. „Nicht förderlich war sicherlich auch die schlechte Trainingsbeteiligung“, sagt Peter Seibt und verweist damit auf die eingangs geschilderte Problematik.

Mit Blick auf die neue Saison gibt sich der JFG-Vorsitzende durchaus selbstbewusst: Nachdem man bei allen Altersklassen längst zum Inventar der Kreisliga gehöre, „wollen wir heuer einmal am Aufstieg basteln.“ Die größten Chancen räumt er der C-Jugend ein, die nun von Rudi Weber, Matthias Ehl und Thomas Freiberger gecoacht wird. „Da bleiben noch einige gute Leute drin, außerdem kommt ein sehr starker D-Jugend-Jahrgang nach.“ Aber auch den B-Jugendlichen um Trainer Rainer Fuchs und den A-Junioren um Neu-Trainer Oliver Steeger traut Peter Seibt einiges zu. Lediglich die D-Jugendlichen, die nun von Jörg Allahut trainiert werden, müssten wohl etwas kleinere Brötchen backen. „Da ist der Aderlass heuer einfach zu groß“, erklärt Peter Seibt und wünscht sich, dass mit dem eigenen Anspruch auch das Interesse am Fußball-Nachwuchs – gerade aus den Stammvereinen – zunimmt. „Schließlich sitzen wir doch gemeinsam in einem Boot.“

Stefan Wolfrum

 


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