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Kommentar zum Bericht in der Frankenschau

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Der mit Spannung erwartete Beitrag in der Frankenschau über Bad Berneck, man kann nur hoffen, dass ihn kein potenzieller Gast gesehen hat. „Bad Berneck – ein Kurort ohne Gäste“ – dieser Titel ließ schon nichts Gutes erahnen. Gemessen am Endprodukt war die Ankündigung aber dann doch noch das kleinste Übel. Die Macher des Films um Redakteur Hans-Peter Kernstock zeichneten ein düsteres – und für viele am Tourismus-Interessierte gar desaströses – Bild unserer Stadt mit leeren Geschäften, maroden Gebäuden und verfallenen Kureinrichtungen. Dazu Fotos aus der „guten alten Zeit“, die einen kompletten Kontrast zur aktuellen Situation bilden sollten.

Garniert war das Ganze mit Worten des guten Ernst Fiedor. Der honorige ehemalige Schulleiter berichtete nicht ohne Stolz und in dem Gefühl seiner Heimatstadt gute Dienste zu leisten von damals, als die Kurstadt noch in voller Blüte stand. Konterkariert wurden die anschaulichen Erinnerungen Fiedors von Einblendungen leerer Straßen und verwaister Läden. So wurde der rund fünfminütige Beitrag zur bitteren, aber auch äußerst einseitigen Bestandsaufnahme der Defizite unserer Stadt und zur schallenden Ohrfeige für diejenigen, die sich trotz leerer Kassen mit viel Engagement und Phantasie gegen den Verfall stemmen. Freilich dürfte sich auch allen Gastronomen und Tourismus-Mitarbeitern am Sonntagabend der Magen umgedreht haben angesichts des düsteren Film-Szenarios und der Aussage „Unterkünfte braucht man hier nicht mehr“. Ebenso Stadtrat Joachim Beth, der sich des Filmteams einen Tag lang angenommen hatte, um ihm die schönsten Seiten unserer Stadt zu zeigen, und dabei gehofft hatte, man würde ein positives Bild Bad Bernecks zeichnen, zumindest aber ein bisschen Aufbruchstimmung herausarbeiten.

Herausgekommen ist das genaue Gegenteil. Nämlich ein über die Maßen einseitiger Beitrag. Anstatt auch die Ursachen des Niedergangs zu beleuchten oder den Blick auf die unzähligen Maßnahmen zu lenken, die den Abwärtstrend stoppen sollen, wurde das Filmchen zum Nachruf, zum Abgesang auf eine sterbende Kommune. Da änderte auch der Schwenk auf Kneipp-Bademeisterin Johanna Enache-Wigger und der (falsche) Hinweis nichts, dass die Kneipp-Kur im Jahr 2010 wieder eingeführt wurde. Auch die gewachsene Wahrscheinlichkeit, nun ein paar Katastrophentouristen aus der Metropolregion Nürnberg angelockt zu haben, mag kaum Trost spenden.

Freilich, einen Imagefilm hatte man nicht erwarten dürfen, aber einen doch bitte etwas ausgewogeneren Beitrag als diesen einseitigen Katastrophenfilm! Dass Moderatorin Dagmar Fuchs in ihrer Abmoderation beiläufig belehrend feststellte, anderen bayerischen Kurorten wie Bad Staffelstein oder Bad Kissingen ginge es gut, denn sie hätten rechtzeitig auf die Karte Wellness gesetzt, setzte dem Ganzen die Krone auf. Danke Bayerischer Rundfunk, jetzt wissen wir endlich, was wir falsch gemacht haben.

Schön wäre, wenn sich alle Ehrenamtlichen und Engagierten in unserer Stadt von diesem Beitrag nicht beirren ließen, sich vielleicht ein Beispiel an Joachim Beth nähmen. Gefragt nach den Auswirkungen, die dieser Film für seine Arbeit habe, antwortete der Stadtrat: „Gar keine, ich werde mich weiter engagieren – jetzt erst recht“. Von Stefan Wolfrum

 


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