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Kunststraße 2010 im Zeichen des weißen Goldes

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Das 300-jährige Jubiläum zur (Wieder-)Erfindung des Porzellans durch Johann Friedrich Böttger und von Tschirnhausen in Meißen hat Bad Berneck – gelegen im geografischen Mittelpunkt der Porzellanstraße – zum Anlass genommen, die Kunststraße 2010 dem Thema „Porzellan aus Oberfranken“ zu widmen.

Nur noch wenige Manufakturen bieten heute noch handbemaltes Porzellan an. An einem Musterteller ist erkennbar, wie Blumen im Meißener Stil entstehen. Neben den klassischen Beispielen eine Vase und ein Schälchen, die in den 50er Jahren an der Fachschule Selb entstanden.

Geworden ist daraus eine Ausstellung in rund 20 Schaufenstern, die den Bogen spannt vom Rokoko bis heute – beginnend mit zwei festlich gedeckten Tafeln: die eine eine Festtafel aus der Zeit des Rokoko, die einem Adels- oder reichen Kaufmannshaus entstammen könnte, die andere eingedeckt mit dem Porzellan, mit dem die VIP-Logen der Fußball-WM 2010 in Südafrika eingedeckt wurden.

Dazwischen eine kleine Zeitreise durch die 30er-, 50er-, 70er- und 90er-Jahre, dem bummelnden Betrachter präsentiert durch einen Blick in ein „Wohnzimmer“ des jeweiligen Jahrzehnts. Und die heutige Anpassung von Porzellanservicen an die Verzehrgewohnheiten unterschiedlichster Kulturen werden an den Beispielen Pizza und Pasta-Geschirr sowie in einem Fenster, das sich den unterschiedlichen „Früh-stückskulturen“ verschiedener Länder widmet, dokumentiert.

Aber auch diejenigen, die sich für die Herstellung des „weißen Goldes“ interessieren, kommen nicht zu kurz: Von den Mineralien, die zur Porzellanherstellung benötigt werden, über die Herstellung der so genannten Massen, aus denen Porzellan produziert wird und dem am Beispiel eines Glöckchens dargestellten Produktionsprozess, bis hin zu unterschiedlichsten Methoden der Porzellandekoration reicht die Dokumentation.

Eher unterhaltsam die Fenster zum Thema „Kursioses und Liebenswertes“: Dort finden sich zum Beispiel eine Sammlung von Porzellanfingerhüten und –nadelkissen (teilweise handbemalt) und unterschiedlichste Salzstreuer. Zum Thema „Porzellan in der Werbung“ finden sich nicht nur die unterschiedlichsten Aschenbecher, sondern auch originelle Werbegeschenke wie Ölfässer, Markenturnschuhe oder Elektro-Sicherungen. Für die Herren dürfte das Fenster zum Thema „Porzellan-Bierkrüge“ von Interesse sein, die Damen begeistern sich vielleicht für die bis in die 60er Jahre sehr beliebten Sammeltassen.

Hier findet sich auch eine Rarität: Da es in früheren Zeiten für Damen nicht schicklich war, in der Öffentlichkeit Schnaps zu trinken, wurden (und werden von der Firma Lindner) dafür spezielle kleine Schnapstässchen produziert, die – zusammen mit den passenden Minifläschchen – auch der Damenwelt den Genuss von Hochprozentigem erlaubten. Der passende Trinkspruch hieß dann logischerweise „Hoch die Tassen!“.

Eine Rarität aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft ist die Karlsbader Kaffeemaschine, ausschließlich hergestellt von der Firma Walküre in Bayreuth: Sie ist komplett aus Porzellan gefertigt, benötigt keinen Papierfilter, und der vollständig glasierte Schlitzfilter beeinflusst oder verringert das Aroma des Kaffees daher nicht. Entsprechend ist sie beliebt bei Kaffeefans, Gourmets, aber auch professionellen Kaffeeverkostern auf der ganzen Welt.

1903 wurde die erste Karlsbader Kaffeemaschine von der Firma Walküre in Bayreuth vorgestellt. Die ausgestellte Form wird seit ihrer Erstausformung 1913 unverändert angeboten. Für Liebhaber des klaren Designs gibt es seit einigen Jahren den modernen Bruder, die Bayreuther Kaffeemaschine in schnörkelloser, klarer Formensprache.

Die Kunststraße, die in den Schaufenstern unter der Pizzeria Italia beginnt, endet am Marktplatz und im Kolonnadenweg mit einem Rückblick in die Geschichte des Porzellans: ein chinesisches Märchen zur Erfindung des Porzellans, eine Anmutung, wie Johann Friedrich Böttgers Werkstatt ausgesehen haben mag – und einige Teile des rotbraunen Steinzeugs, das die ersten erfolgreichen Ergebnisse des Forschung von Tschirnhausens und Böttgers war, ehe im Jahr darauf tatsächlich auch in Europa das Geheimnis der Herstellung des „weißen Goldes“ entschlüsselt wurde.

Von Sandra Schiffel


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