Abonnieren: Artikel | Kommentare

Mittelalterfans stürmen die Ruinen

0 Eintrag

Mehrere Tausend Besucher an zwei Tagen, der Großteil davon am Sonntagnachmittag. Das Burgenfest war in seiner vierten Auflage ein voller Erfolg, stieß aber fast schon an seine Grenzen. Beim sonntäglichen Sturm auf Hohenberneck war es jedenfalls nicht leicht, einen Platz mit gutem Blick auf das Geschehen zu bekommen.

Zunächst war am Vorabend des Burgenfestes Jan Burdinski vom Fränkischen Theatersommer mit „schaurig schönen Moritaten“ zu Gast. Am Samstag dann hatten zunächst die Burgeignerin Jaqueline-Giesela von Wallenrod und ihr Gemahl Albrecht von Wallenrod ihrem Volk auf dem Burgenfest ihre Aufwartung gemacht. Geleitet von einer Abordnung ritterlich Gewandeter wurden die beiden abgeholt und zu einem Mahl mit dem Magistrat Jürgen Zinnert auf Hohenberneck geleitet. Dort, wo auch Kastellan Thomas Adam und eine ganze Gesellschaft warteten. Bruder Paulus, alias Roland Gewinner, hatte für die Burgherrin als Geschenk Bilder von ihrer Hochzeit, die bekanntermaßen2012 in Bad Berneck stattgefunden hatte, mitgebracht.
Doch erst einmal gab es eine überraschende Einlage. Denn Bernhard Huber mit seinen Mittelalterfreunden, den Regensburger Pereg Draculeas, vor Ort, machte seiner Stefanie Nicklas einen Heiratsantrag. Wobei sie unter dem Applaus der Zuhörer auch einwilligte.
Auf der Ruine Hohenberneck war ansonsten nicht nur das Feldlager der Bad Bernecker Mittelaltergruppe Burgomanis de Bernegge und der Weidenberger Kollegen von Historia Widenbergensis, sondern auch ein Tisch mit Informationen rund um die Bad Bernecker Burgen und mittelalterliches Leben aufgebaut.
Mit Spannung erwarteter Hauptprogrammpunkt am Samstag war aber, aufgrund lebhafter Diskussionen (der Stadtanzeiger berichtete) im Vorfeld, der Hexenprozess, den die Oberpfälzer Mittelaltergruppe Mathis und die Vogelfreyen auf der Schlossbühne aufführen wollten. Wobei das Geschehen, wie vorab schon angekündigt, keinen grausamen Anblick bot und auch – wie ebenfalls befürchtet – keine Anklage gegen irgendjemanden enthielt. „Wir wollen nicht urteilen“, betonte so auch Hubertus, der Scharfrichter, der die Moderation übernommen hatte. Es sei der Gruppe nicht entgangen, dass es vorab heftige Diskussionen gab.

Zwei seltsame Weibsbilder werden zum Prozess auf die Bühne gerollt.

Zwei seltsame Weibsbilder werden zum Prozess auf die Bühne gerollt.

Doch das Ganze war ein ziemlich harmloses Spektakel. In einem großen Käfig wurden zwei junge „seltsame Weibsbilder, eine aus Franken, eine aus der Oberpfalz“ auf die Bühne gefahren. Und als das Publikum beim Anblick der beiden vermeintlichen Hexen gefragt wurde, ob diese schuldig seien, war sich die Menge – es verfolgten über 300 Gäste das Geschehen – schnell einig und stufte eine der beiden als Hexe ein. Wie schnell sich eine Menschenansammlung selbst hochschaukeln kann, wollten die Vogelfreyen vorrangig zeigen. Was damit gelungen war.
Auf der Schlossbühne, die damit nach langer Zeit ein volles Haus erlebte, wurde den ebenfalls zahlreich präsenten Kindern dann noch bewiesen, dass der auf den Scheiterhaufen geführten vermeintlichen Hexe, die erst in dichtem roten Rauch stand und dann verschwand, nichts passiert war.
Ob geschmacklos oder nicht, die Geister schieden sich. Doch ein Überdramatisieren schien in Anbetracht der Aufführung, sicherlich ebenso wenig angebracht. „Das kann man schon ansehen. Fast schon ein wenig zu komödiantisch“, fand beispielsweise Hermann Baumann. „So ganz überzeugt bin ich von der Sache nicht“, meinte auch Anneliese Kanwischer. Es gab letztlich aber viele Befürworter.
Das Burgenfest ging dann am Samstag weiter mit Festbetrieb am Leopoldplatz und der Möglichkeit, bei den verschiedenen Gruppen mittelalterliches Leben – von der Essenszubereitung bis hin zu Schwertschaukämpfen – zu erleben. Für die Kinder gab es einen mittelalterlichen Spieleparcours mit Axtwerfen, Bogenschießen, Hufeisenwerfen oder auch der Möglichkeit, im Pavillon zwischen Marienkapelle und Schlossberg Kalligrafie zu üben. Und unter der Bühne wartete eine geheimnisvolle Wahrsagerin darauf, einen Blick in die Zukunft der Gäste werfen zu dürfen.
Der Sonntag bot schließlich erneut einen Blick auf das typische mittelalterliche Lagerleben und als besondere Attraktion einen Sturm auf Hohenberneck. Wobei der Rammbock diesmal eine brennende Spitze erhalten hatte.
Für das spezielle mittelalterliche Flair sorgten die insgesamt acht Mittelaltergruppen, die auch bei der geplanten Fortsetzung im kommenden Jahr dabei sein wollen.
An beiden Tagen war wieder der Bürgerbus eingesetzt, der einen Teil der zahlreichen Besucher zu den Ruinen fuhr.
Harald Judas


Kommentar dazu schreiben:

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben.