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Plassenburg-Aufsichtsrat wieder handlungsfähig

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Die Leser des Stadtanzeigers wussten Bescheid – der Rest offenbar mehrheitlich nicht. So zeigten sich die Genossenschaftsmitglieder der Plassenburg-Kelterei zur Generalversammlung im Kulmbacher Gasthof Geuther mit der zuletzt praktizierten Informationspolitik nicht zufrieden. Denn vom Rücktritt des Aufsichtsrats war den Genossen vorab nichts bekannt gegeben worden. Bestätigt wurde hingegen nun auch in der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung über eine Investition in Bad Berneck bislang an der Uneinigkeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat scheiterte.

Die Leute an der Spitze der Plassenburg-Kelterei. Hinten von links die Vorstände Friedrich Rösch, Peter Heuschmann sowie die Aufsichtsräte Alfred Götz und Edgar Schmidt. Vorne von links Aufsichtsrat Herbert Hubmann, Geschäftsführer Markus Wolfrum und Roland Streng, Regionaldirektor des Genossenschaftsverbandes.

Doch damit ist nun zumindest eines endgültig klar: Eine Absiedlung vom Standort Bad Berneck ist bis auf Weiteres vom Tisch. Es geht wirklich nur noch darum, ob man derzeit überhaupt eine Investition wagen soll. Eine berechtigte Frage, denn schließlich stand am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahr sogar ein Minus in den Büchern. Falls hingegen investiert werden soll, steht weiter die Frage im Raum, ob dies am jetzigen Standort geschehen soll oder nach einer möglichen Verlagerung auf dem ehemaligen Popp & Co.-Gelände.

Es war die insgesamt 61. Generalversammlung, zu der sich nun fast 150 Genossenschaftsmitglieder trafen. Denen  in Person von Vorstandsvorsitzendem Friedrich Rösch zunächst der neue Geschäftsführer Markus Wolfrum vorgestellt wurde, „ein Plassenburg-Eigengewächs“, das schon seine Lehre bei der Plassenburg absolvierte, erklärte er. Inzwischen ist Wolfrum Lebensmitteltechniker und leitet seit Juli des vergangenen Jahres die Kelterei.

Wolfrum wiederum ging auf die wichtigsten Entwicklungen ein, unter anderem darauf, dass PET-Flaschen immer wichtiger werden. Deutlich wurde, dass die Plassenburg-Kelterei auf Veränderungen am Markt reagieren muss. Vorgenommen hat man sich die Steigerung des Absatzes, die Sicherung der Rohstoffe und die Prozessoptimierung. Als wichtig werden Energie sparende Maschinen erachtet. Aber eben auch das Produzieren auf einer Ebene, was unter jetzigen Bedingungen unmöglich sei, so Wolfrum. Dazu wurden und werden weiter drei prinzipielle Möglichkeiten diskutiert. Ein Neubau auf der grünen Wiese wäre genauso eine Lösung wie ein Umbau auf dem bestehenden Betriebsgelände oder eben eine Umsiedlung in bestehende Gebäude. Die Alternativen seien in mehreren Sitzungen behandelt worden. Mehrere Standorte seien durchleuchtet worden.

Allerdings wurde bis zuletzt keine Einigung erzielt. Die Konsequenz war, dass der Aufsichtsrat geschlossen zurücktrat.

Laut Markus Wolfrum kamen zuletzt zu einer schwachen Ernte gestiegene Preise beim Zukauf von Zucker hinzu  -  und weitere Kostensteigerungen durch die gestiegenen Energiepreise.

Der Erntebericht zeigte auf, dass das Tanklager zuletzt fast leer war. Das dritte schwache Jahr in Folge machte den Zukauf von Äpfeln nötig, was sich aber durch eine Erhöhung der Zukaufspreise belastend auf die Zahlen auswirkte. So stand diesmal in der Erfolgsrechnung ein Minus von 64.279 Euro, nachdem im Geschäftsjahr zuvor zumindest noch ein geringes Plus von 11.661 Euro erwirtschaftet werden konnte.

Ein Blick in das Zahlenwerk zeigt freilich auch, dass die Plassenburg insgesamt solide dasteht. So haben die Sachanlagen, also Gebäude und Maschinen, einen Wert von fast 362.000 Euro. Das Darlehen für einen Lkw ist inzwischen fast komplett abbezahlt.

Trotz der drei schlechten Ernten in Folge ist die Kelterei immer noch sehr liquide, wie auch der Versammlungsleiter Roland Streng vom Genossenschaftsverband bestätigte und was sich an 390.000 Euro, die die Genossenschaft auf der Bank liegen hat, festmachen lasse.

Zudem verspricht man sich von einem neuen Produkt sehr viel: „Pina Colada“ heißt der alkoholfreie, fertig gemixte Frucht-Cocktail, mit dem man auf die Jugend setzen möchte und der später auch zur Verkostung verteilt wurde.

Ursprünglich nicht vorgesehen war hingegen eine Stellungnahme des zurückgetretenen Aufsichtsrates. Womit sich allerdings mehrere der Anteilsinhaber nicht zufrieden geben wollten. Sodass sich Uwe Täuber, der Ex-Aufsichtsrat-Chef, schließlich doch bereit erklärte, Stellung zu beziehen. Er erklärte, wie schon vergangene Woche im Stadtanzeiger beschrieben, dass der Aufsichtsrat einen Umzug in keinster Weise mittragen konnte und man bis  heute auch keinen Konsens gefunden hatte. „Der Umzug beinhaltet einfach zu viele unbekannte Parameter“, so Täuber. Er bezeichnete es als wichtiger, mindestens zwei neue Produkte pro Jahr vorzustellen, den Außendienst zu verstärken und auch den Nachwuchs zu fördern. Mit der Entscheidung zum Rücktritt habe man jedenfalls ein Zeichen zum Nachdenken setzen wollen.

Friedrich Rösch setzte dem entgegen, dass das Arbeiten in der alten Produktionshalle sehr kontraproduktiv sei. Alle Seiten betonten letztendlich, dass noch keine Entscheidung gefallen sei und dass mit dem anschließend neu besetzten Aufsichtsrat die Verhandlungen über das weitere Vorgehen neu beginnen.

Die Wahl des Vorstandes bestätigte zunächst Friedrich Rösch im Amt. Und auch vier neue Aufsichtsräte fanden sich: Zum einen wurde der frühere Geschäftsführer Herbert Hubmann zum Aufsichtsrat bestimmt. Überhaupt standen nur vier Aufsichtsräte zur Wahl, die auch alle die Mehrheit fanden. Neben ihm noch der Burgkunstädter Alfred Götz, der Mitwitzer Thomas Konrad und der Weismainer Edgar Schmidt. Nun beginnt die Prüfung des Investitionsvorhaben von Neuem.

Vorstand Friedrich Rösch sprach allerdings in der Versammlung von nur 40.000 bis 50.000 Euro Mehrkosten bei einem Umzug ins Popp-Gebäude. Das deckt sich, wie vergangene Woche beschrieben, natürlich überhaupt nicht mit den Erwartungen des alten Aufsichtsrates. Der ging vielmehr von einem Kostenaufwand im siebenstelligen Euro-Bereich aus.

Der Antrag, für die endgültige Investitionsentscheidung eine Generalversammlung einzuberufen, wurde allerdings mit Hinweis auf die Geschäftsordnung gar nicht erst zur Abstimmung gestellt. Zumindest wird es auf Antrag aber eine Informationsveranstaltung geben, sobald die genauen Kosten für das Investitionsvorhaben vorliegen. Doch wird die Entscheidung nur zwischen Aufsichtsrat und Vorstand fallen, wie nochmals betont wurde.

Harald Judas

 


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