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Platzt Übernahme des Kurmittelhauses?

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Es rumort im Kurmittelhaus. Und zwar gewaltig. Eigentlich hätte die städtische Immobilie in den kommenden Tagen an Kneipp-Bademeisterin Johanna Enache Wigger und ihren Mann Radu Enache – sie sind seit rund einem halben Jahr Mieter des ersten und zweiten Stockes – übergeben werden sollen. Daraus aber wird nichts. Die Übernahme ist erst einmal auf Eis gelegt und droht sogar komplett zu platzen, da die Wohnung im Erdgeschoss nicht wie vereinbart bis zum 30. September geräumt werden konnte. Diese wird nach wie vor bewohnt von Herbert Günsche, dem ehemaligen Leiter des Kurmittelhauses.

Bleibt die Stadt auf ihrer Problem-Immobilie sitzen? Fakt ist: Ohne schnellen Auszug von Familie Günsche wird es keine Übernahme durch Familie Enache geben.

Warum er die Wohnung nicht fristgerecht geräumt hat? „Auf jeden Fall nicht, um die Stadt oder die Familie Enache zu ärgern“, sagt Herbert Günsche gegenüber dem Stadtanzeiger. Er versichert, lieber heute als morgen in sein Wohnhaus am Heinersreuther Weg einziehen zu wollen. Dort aber liefen die Renovierungsarbeiten noch auf Hochtouren. Das Haus sei noch nicht bezugsfertig. „Ich schaffe dort Tag und Nacht. Es kam aber einiges dazu, was ich vorher nicht gesehen habe. Wenn ich einziehe, sollte es aber innen auch fertig sein und von außen trocken.“ Dabei betont der ehemalige Leiter des Kurmittelhauses auch, dass die Verzögerungen teils auch den schwierigen Straßenverhältnissen am Heinersreuther Weg geschuldet seien. Insgesamt, so rechnet Herbert Günsche, wird es noch acht Wochen dauern, bis sein Haus bezugsfertig ist und der Auszug aus dem Kurmittelhaus über die Bühne gehen kann. Garantieren wolle er das aber nicht.

Wie zu erfahren war, hatte es zwischen der Stadt und Herbert Günsche einen Vergleich gegeben, böse Zungen sprechen auch von einem Kuhhandel. Der wie folgt aussah: Die Stadt hatte sich bereit erklärt, die Kündigung des Arbeitsverhältnisses gegen Herbert Günsche zurückzuziehen und ihn bis zum Eintritt ins Rentenalter, also noch rund zwei Jahre, weiterzubeschäftigen. Im Gegenzug willigte Herbert Günsche ein, die Wohnung bis Ende September dieses Jahres zu räumen. Dabei betont er, dass die Stadt bei diesem Vergleich einer Art „Puffer“ zugestimmt habe. Will heißen: Bei einer Nichteinhaltung des Termins 30. September werde sie keine Räumungsklage erheben. Nun ist es soweit gekommen. Der Puffer wird benötigt und die Stadt befindet sich in der Klemme.

Fakt ist nämlich auch, dass die Stadt ihrer vertraglichen Vereinbarung mit dem Ehepaar Enache nun nicht nachkommen kann. Die Stadt hatte vertraglich zugesichert, das geräumte Erdgeschoss zum 1. Oktober zu übergeben, um den Enaches die dringend notwendige Sanierung der Sauna zu ermöglichen. Die Enaches wiederum sicherten die Übernahme des gesamten Kurmittelhauses bis Ende November zu. Die Sauna sei ein Eckpfeiler ihres gesamten Kurmittelhaus-Konzeptes und eine enorm wichtige Einnahmequelle über die Wintermonate. „Essentiell“, so sagt Johanna Enache-Wigger, seien die Sauna-Einnahmen. Man habe damit weitere und bereits vollendete Umbaumaßnahmen gegenfinanzieren wollen.

Nun aber wird wohl die Wintersaison ohne Sauna über die Bühne gehen müssen. Dementsprechend groß ist nun der Ärger. Nicht nur über den Mieter im Erdgeschoss. Da ist das Tischtuch ohnehin längst zerschnitten (Johanna Enache-Wigger: „Wir sind beim besten Willen nicht schuld daran, dass Herr Günsche keinen Job mehr hat. Das Kurmittelhaus wäre so und so geschlossen worden“). Vielmehr richtet sich der Ärger gegen die Stadt, die ihre Zusage nicht eingehalten hat. „Wir werden das abwohnen, was wir hier investiert haben“, spricht die Kneipp-Bademeisterin Klartext und meint damit nichts anderes, als ihre Mietzahlungen an die Stadt unverzüglich einzustellen. Man habe in den letzten Monaten kräftig Geld investiert und obendrein enorme Eigenleistung erbracht. Überhaupt seien diese Investitionen nur mit Blick auf die Übernahme zum Ende des Jahres getätigt worden.

Selbst einen kompletten Rückzug aus dem Kurmittelhaus schließt das Ehepaar nicht aus. „Während wir das hier abwohnen, suchen wir andere Räume in Bad Berneck. Ganz aus Bad Berneck weg können wir gar nicht mehr, dazu haben wir uns bis heute einen viel zu großen Kundenstamm aufgebaut.“ In der Tat! Mittlerweile floriert das Kurmittelhaus wieder, das Auftragsbuch ist voll, die Patienten geben sich die Klinke in die Hand. Mit der Krankengymnastin Daniela van’t Hof haben die Enaches bereits eine neue Vollzeitkraft beschäftigt. „Wir waren immer überzeugt, dass das Kurmittelhaus Potenzial hat. Unsere ersten Monate haben diesen Eindruck nur noch bestätigt. Die Räume hier sind optimal – für Anwendungen, Behandlungen, Seminare und ganzheitliche Konzepte“, schwärmt Johanna Enache-Wigger, die freilich hofft, dass man doch noch eine Lösung findet. „Bis zur Selbstaufgabe“ am Kurmittelhaus festhalten aber will sie nicht.

Natürlich ist es auch im Rathaus um die Stimmung nicht zum Besten bestellt. Hier hatte man gehofft, die Problem-Immobilie loswerden zu können. Denn trotz der generierten Mieteinnahmen bleibt das Kurmittelhaus ein Zuschussgeschäft. „Mit jedem Tag Verzögerung des Eigentumsübergangs entsteht der Stadt ein nicht unerheblicher Schaden und deshalb arbeiten wir mit aller Konsequenz daran – auch wenn dies in der Öffentlichkeit nicht bemerkbar wird -, diesen Eigentumsübergang so schnell wie möglich zu realisieren“, sagt Erster Bürgermeister Jürgen Zinnert und fügt hinzu: „Absolut vorrangiges Ziel der Stadt ist es, das ehemalige Kurmittelhaus an die Interessentin zu veräußern, da nur dadurch sicher gestellt ist, dass diese Einrichtung in ihrer bisherigen Bestimmung als Haus der Gesundheit und der Kneipp’schen Lehre weiter betrieben werden kann, was für Bad Berneck von eminenter Wichtigkeit ist.“ Die Kernfrage, wie es denn nun weitergeht mit Herbert Günsche, ob es vielleicht zur Räumungsklage kommt und ob das Beschäftigungsverhältnis aufrecht erhalten bleibt, dies bleibt indes unbeantwortet. Dazu kein Kommentar! Man werde sich dazu erst äußern, wenn die Sache ihr Ende gefunden habe, sagt das Stadtoberhaupt.

MEHR DAZU IN DER AUSGABE 41/10 DES STADTANZEIGERS.


  1. Ausgewanderter says:

    Ich schlage vor, daß Bernecker Handwerker & handwerklich Begabte, die eine Fertigstellung/Bezugsfertigkeit des Günsch’en Hauses fördern können, jetzt schleunigst mit anpacken, um für Bad Berneck und alle ums Kurmittelhaus Beteiligten noch dieses Jahr eine Lösung der bisherigen Problematik zu erzielen + dadurch die Weiterführung des Kurmittel-hauses ermöglichen!!

    Jetzt könntet IHR mal wieder zeigen, daß IHR doch zusammenhelfen könnt !!

    Melde DICH beim Herbert und biete ihm DEINE Hilfe an !!

    Telefon: Berneck / 308 96 51. Los – AUF geht’s !!

  2. Klartext says:

    Als erstes möchte ich dem Ausgewandertem einmal recht geben.
    Im „groß Töne spucken“ ist Bad Berneck klar die Nummer 1 auf der ganzen Welt. Hat einer von den Verfassern dieses Artikels überhaupt mal versucht der Wahrheit auf den Grund zu gehen oder wird nur das geschrieben was man vom Rathaus gesagt bekommt? Wieso war/ist die Stadt den nicht in der Lage das Haus selber weiter zu betreiben? Ist den Bad Berneck überhaupt noch berechtigt das „BAD“ zu tragen? In meinen Augen wird nur ein Schuldiger gesucht und den haben Sie ja bereits gefunden, Herbert Günsche heist er. Wenn man in „Bad“ Berneck so viel von einer Kurstadt halten würde dann hätte man sich schon vor Jahren umstellen müssen und auch dafür was tun müssen. In meinen Augen ist die Stadt nur zu bedauern.

    gez. Thomas Guensche

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