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Ratte und Kakerlake sagen sich gute Nacht

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Dem Durchfahrenden fällt es schon gar nicht mehr auf. Doch die Anwohner im östlichen Bereich Goldmühls fühlen sich gestört. Denn dort gibt es einerseits einen alten Bauernhof, der inzwischen zu einer Bauruine verkommen ist. Andererseits steht schräg gegenüber in der Goldmühler Straße ein verlassenes Haus, das ebenfalls einen traurigen Eindruck macht. Im Hof türmen sich die Müllberge, die dort nach Auskunft einiger Anwohner schon längere Zeit liegen. Klar, dass sich hier Ratte und Kakerlake gute Nacht sagen.

Das Anwesen, Goldmühler Str. 40: Bei einem flüchtigen Blick vermutet man in der Goldmühler Straße nichts Außergewöhnliches, doch vor allem das Umfeld lässt zu wünschen übrig, wie ein Blick in den Hinterhof zeigt.

Im angesprochenen Haus wohnt niemand mehr. Die Eigentümerin ist nach Bayreuth verzogen, lässt sich vor Ort nicht sehen und kümmert sich sehr zum Leidwesen der Goldmühler auch nicht um ihre Liegenschaft.

Die Hinterlassenschaften, darunter ein Herd, eine alte sich langsam auflösende Matratze und vor allem viele aufgeplatzte Müllsäcke sind die Überreste dieser letzten Bewohnerin, die das Haus noch selbst leer geräumt hat. Bei der letzten Sperrmüllabfuhr blieb dann aber einiges zurück. Insbesondere natürlich der Hausmüll. Diese Reste wanderten dann einfach hinter das Haus, wo sie nun zum Lebensraum so mancher unliebsamer Vier– und Mehrbeiner geworden sind.

An diesem Müll macht sich auch der größte Ärger der Anwohner fest. Die fürchten sich nicht nur vor Ratten und sonstigem Ungeziefer, sondern auch vor weiteren Gefahren. Weil niemand genau weiß, was in den Müllbergen so alles seine Ruhestätte gefunden hat. Aber es gibt noch weiteren Ärger. Denn vor dem Haus wird auch nicht gekehrt oder Unkraut entfernt und im Winter erfolgt auch keine Schneeräumung.

Wenn man sich vor Ort umschaut, kann man erkennen, dass die Nachbarn inzwischen einen Sichtschutz errichtet haben. Damit fällt zumindest die optische Belästigung weg. Denn noch immer wurde behördlicherseits keine Besserung erreicht. „Zwei Mal war ich schon in der Stadt“, sagt eine Goldmühlerin, die nicht genannt werden will. Sie weist vor allem darauf hin, dass sich nun schon seit längerem nichts mehr getan hat. „Es kommt von der Stadt nichts“, wirft sie dem Rathaus Untätigkeit vor.

Doch das stimmt so nicht, wie eine Nachfrage ergibt. Einige Ortstermine fanden nach Auskunft von Geschäftsleiter Werner Seifert bereits statt. Ohne Ergebnis. Die Stadt hat den Fall zudem an das Landratsamt weitergegeben. Denn dort liegt nach Sicht der Stadt die Zuständigkeit. Von der Kreisbehörde wurden zwar Auflagen zur Beendigung des Zustandes erlassen. Doch bislang ohne Erfolg.

Und auch die Kontrolle über die Einhaltung der Maßnahmen obliegt inzwischen der übergeordneten Behörde. Die damit auch für den Vollzug sorgen muss. Derzeit liegt der Stadt Bad Berneck jedenfalls kein Auftrag vor, selbst tätig zu werden.

Ein Vertreter des Landratsamtes teilt zu dem Fall mit, dass die Beschwerde eines Bürgers dem Landratsamt schon am 21.12.2009 übermittelt worden sei. Daraufhin wurde der Stadt Bad Berneck unverzüglich mitgeteilt, dass ein Befall mit Gesundheitsschädlingen nicht ausgeschlossen ist und seuchenhygienische Maßnahmen (durch die Kommune) zu treffen sind. Es gab in der Folgezeit mehrere Ortstermine unter Beteiligung verschiedener Fachstellen. Die Eigentümerin des Anwesens wurde mehrfach aufgefordert, die Abfälle ordnungsgemäß zu beseitigen. Nach einer Ortseinsicht durch die Regierung von Oberfranken stellte diese fest, dass die Zustände auf dem Grundstück zwar unschön seien, eine Gefährdung des Allgemeinwohls jedoch nicht festgestellt werden könne. Bisher ist es nach den Worten des Landratsamtes nicht gelungen, Kontakt zur Eigentümerin aufzunehmen, um einvernehmliche Lösungen zur Beseitigung des Unrats festzulegen.

 

Bei der Gelegenheit wurde das Landratsamt auch nach der baufälligen Scheune gegenüber befragt. Diese sei „Gegenstand eines bauaufsichtlichen Verfahrens, welches jedoch noch nicht abgeschlossen ist.“  Weiter teilt das Landratsamt mit: „Es wurde eine Anordnung zur Beseitigung der Gefährdung erlassen und der stufenweise Rückbau der baufälligen Scheune umgesetzt. Dieser geht weit über das ursprünglich geforderte Maß hinaus.“ Hier bewegt sich also etwas. Ganz im Gegensatz zum Anwesen schräg gegenüber.

Letztlich stören sich am Zustand beider Anwesen aber „eigentlich alle Goldmühler“, wie ein anderer alteingesessener Dorfbewohner weiß. Und weil der Anblick des teilweise eingestürzten Anwesens allen Vorbeifahrenden sofort ins Auge sticht, ärgert sich die Dorfgemeinschaft auch über das Bild, das ihr sonst sehr schöner Heimatort allen Auswärtigen bietet. Die Anwohner hoffen jedenfalls, dass bald Bewegung in die leidige Geschichte kommt.

Harald Judas

 


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