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SVR feiert Karneval in Berneck

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Wie das Hinspiel so das Rückspiel. Auch im zweiten Stadtderby zwischen dem TSV und dem SVR hieß der Sieger Röhrenhof. Nach dem 2:0-Hinspielerfolg ließ die Nachtmann-Elf nun auf fremdem Terrain gar ein 3:0 folgen – ein echter Husarenstreich der Rot-Weißen, die nun nach Punkten mit dem Stadtrivalen gleichzogen und diesen nach seiner respektablen Vorrunde jäh auf den Boden der Tatsachen zurückholten.

Da war es vollbracht: Der SVR hatte gerade den zweiten Sieg im Stadtderby gegen den TSV gelandet und feierte gebührend!

Als SVR-Kapitän Michael Hacker – er war eine der tragenden Säulen seiner Mannschaft – in der Dusche ein laut hörbares „Karneval in Berneck“ anstimmte, saßen die Kurstädter mit hängenden Köpfen in der Nachbarkabine. Keine Frage, diese Niederlage schmerzte. Am meisten sicherlich TSV-Spielertrainer Klaus Harreis. Der hatte nicht nur darauf gedrängt, die Partie trotz eines knöcheltiefen Geläufs und immenser Personalprobleme unbedingt durchzuziehen, sondern auch das richtungsweisende 0:1 verursacht. Als er in der 14. Minute von seinem Keeper Christopher Uhlig das Leder zugespielt bekommen hatte, hatte er eigentlich alle Zeit der Welt, den Ball nach vorne zu bugsieren. Er entschied sich aber fatalerweise für die Option, in ein Dribbling gegen den pfeilschnellen Röhrenhofer Goalgetter Matthias Schlemmer zu gehen. Es kam, was kommen musste: Harreis verlor das Leder, setzte nach, zupfte und schob, Schlemmer fiel und Schiedsrichter Kuhbandner zeigte folgerichtig auf den Punkt. Von wo aus sich Hacker die Chance nicht entgehen ließ. „Das geht ganz klar auf meine Kappe“, gab sich der TSV-Coach denn auch selbstkritisch und wusste nur allzu gut, dass dieser Gegentreffer in Anbetracht der großen Dominanz beider Abwehrreihen fatale Folgen nach sich ziehen würde.

Denn so sehr sich der TSV auch mühte, Chancen blieben gegen die aufmerksame und von Jens Bastobbe sehr gut organisierte SVR-Defensive Mangelware. Einzige Ausnahme ein Pfostentreffer von TSV-Kapitän Tobias Neukam, der in der 32. Minute seinen Bewacher Stefan Zimmermann abschüttelte, von links in den Strafraum eindrang, von dort aber am Aluminium scheiterte. Er läutete damit die beste Phase des TSV-Spiels ein: druckvoll, aber nicht wirklich zwingend. Hinzu kam, dass drei aussichtsreiche Freistoßchancen an der Strafraumkante mehr oder weniger kläglich vergeben wurden, weil diese ruhenden Bälle zu unplatziert getreten wurden.

Was nach der Pause passierte, fasste SVR-Kapitän Michael Hacker dann wie folgt zusammen: „Da standen wir sehr gut, haben nichts mehr zugelassen und haben mit dem 2:0 den Kampfgeist der Bad Bernecker endgültig gebrochen.“

„Welcher Kampfgeist?“, fragte sich manch Bad Bernecker Zuschauer, verwechselte aber Kampfgeist mit läuferischem Vermögen. Der Geist war durchaus willig, was an der großen Emotionalität abzulesen war, aber das Fleisch. Das war schwach. Ganz anders als im Hinspiel. Da hatte dem TSV die richtige Einstellung gefehlt. Diesmal war es umgekehrt. Die Bad Bernecker wollten, hatten aber keine Mittel. Fakt war nämlich: Die Schwarz-Weißen hatten nichts, aber auch gar nichts mehr zuzusetzen. Maximilian Völkl, der ebenso wie André Russ stark angeschlagen in die Partie gegangen war, war nahezu komplett abgemeldet und wurde später ausgewechselt. Der Rest, dem ohne seinen Regisseur traditionell der Glaube fehlt, offenbarte zudem konditionelle Schwächen. Die lange Spielpause und auch die mangelnde Trainingsbeteiligung schlugen hier deutlich und erkennbar zu Buche. Um einen Vergleich aus der Tierwelt zu bemühen: In der zweiten Halbzeit ähnelte das Duell der beiden Teams wie einem Kampf zwischen Wasserbüffel und Antilope.

Letztere war meist einen Schritt schneller, kontrollierte das Geschehen, aber ohne groß zu brillieren. Es reichte eine hochkonzentrierte und taktisch saubere Vorstellung der bestens eingestellten Nachtmann-Schützlinge. Die Chancen gegen die sich zusehends entblößende TSV-Deckung kamen zwangsläufig. Nachdem das letzte beherzte, aber planlose Anrennen der Heimelf verpufft war, schlug der Gast eiskalt zu. Erst war es Schlemmer, der in bester Abstaubermanier nach einem Strafrumgewühl ins Schwarze traf, ehe SVR-Spielertrainer Christian Nachtmann einen schulmäßigen Konter zum 3:0 abschloss.

Danach hätte Schiedsrichter Kuhbandner das Spiel am besten beendet. So hätte man sich ein finales Handgenmenge an der Außenlinie und einige giftige Wortduelle auf und außerhalb des Platzes ersparen können. Ausgangspunkt dieser unnötigen Rudelbildung, die dann doch noch einen etwas faden Beigeschmack in beiden Fanlagern hinterließ, war ein Frustfoul von Tobias Neukam am eingewechselten Sebastian Völkl, das der Referee mit der Ampelkarte bestrafte.

 

Fazit des Spiels: Ohne Wenn und Aber – auch der zweite Derbyerfolg in dieser Saison ging hochverdient an den SVR. Läuferisch voll auf der Höhe und taktisch diszipliniert ließen die Rot-Weißen dem angeschlagenen TSV nicht den Hauch einer Chance. Fatal für die Bad Bernecker war dabei das 1:0. Freilich, es ist müßig darüber zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn dieser Treffer nicht gefallen wäre. So verdiente sich Röhrenhof den Dreier mit zunehmender Spieldauer immer mehr. Enttäuschend aus Bad Bernecker Sicht war auch die schwache Kulisse, denn gerade einmal 140 Zuschauer hatten den Weg auf den Sportplatz am Klang gefunden. Während beim TSV nur Keeper Uhlig fehlerfrei agierte, hatte der Gast seine herausragenden Kräfte in Hacker und Schlemmer.

 


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