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TSV gewinnt rassiges Derby

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So unterschiedlich können die Emotionen nach Derby-Siegen sein. Während der TSV Bad Berneck den vorangegangenen    6:0-Kantersieg über einen vollkommen überforderten ASV Marktschorgast noch in stiller Zufriedenheit genossen hatte, wurde es am vergangenen Sonntag nach dem Spiel in Goldkronach doch etwas lauter. Das 4:2 über den guten Nachbarrivalen, gegen den man in den davor ausgetragenen Duellen meistens schlecht ausgesehen hatte, war schließlich hart erarbeitet worden. Und die Freude dementsprechend groß.

 

Maximilian Völkl auf und davon.

Freilich auch bei dem zahlreich mitgereisten Anhang. Rund 100 TSV-Fans waren in die Nachbarstadt gepilgert, um ein streckenweise begeisterndes Derby  zu sehen. Darunter auch Ex-BOL-Torjäger Stefan Feulner, der seinen Nachfolgern im TSV-Dress eine „überra-gende Offensivleistung“ bescheinigte. TSV-Gönner Thomas Ledwolorz bekannte schmunzelnd, er habe „ganz feuchte Augen bei der Klassevorstellung“ bekommen.

Verdient war der Sieg des TSV allemal, das sah auch Goldkronachs neuer Spielertrainer Torsten Heumann so. „Wir haben heute eine verdiente Niederlage erlitten. Was wir uns vorgenommen haben, haben wir nicht umsetzen können. Wir wollten aggressiv in die Zweikämpfe gehen und schnell nach vorne spielen. Leider waren wir in vielen Situationen zu weit von den Gegnern weg, das war heute also auch eine Lernphase für unsere Jungen“, sagte der 37-Jährige nach Spielschluss. Er selbst hatte sich kaum in Szene setzen können, war sonst Dreh- und Angelpunkt seines Teams, diesmal aber bekam er gegen den ungemein bissigen TSV-Verteidiger Michael Back kaum einen Stich.

Dabei hatte die Partie so vielversprechend für die Heimelf begonnen. Schon in der zweiten Minute überraschte Goldkronachs Flügelflitzer Hajrizaj TSV-Keeper Christopher Uhlig mit einem an sich harmlosen 25-Meter-Freistoß auf den kurzen Pfosten. „Ich dachte, der Ball geht vorbei“, nahm die Bad Bernecker Nummer eins das Tor auf seine Kappe. Der TSV ließ sich davon aber nicht schocken, übernahm nun erst Recht die Initiative und wurde für sein aggressives und laufintensives Spiel sofort belohnt. Andre Russ, der wieder herausragend agierte, war nur drei Minuten nach der SpVgg-Führung mit dem Kopf zur Stelle. Und kurz nachdem Timo Neukam mit einem Freistoß noch an SpVgg-Keeper Ruppel gescheitert war, stellte der aus Lanzendorf gekommene Neuzugang seine Torjägerqualitäten erneut unter Beweis – 2:1 für den TSV (22.). Es war Russ‘ fünfter Saisontreffer.

Der Gast wirbelte weiter, offenbarte aber auch Defensiv-Schwächen bei Standardsituationen. So kam Schulte im Busch nur vier Minuten später nach einer Ecke frei zum Kopfball und markierte den Ausgleich. Die Harreis-Schützlinge indes ließen in der ohnehin offen und schnell geführten Partie nicht locker und setzten sich in der Schlussphase der ersten Halbzeit ab. Erst war es Tobias Neukam, der aus kurzer Distanz die Führung zurück eroberte, dann besorgte Sean Leistner gar das 4:2. Dem war der schönste Spielzug der gesamten Begegnung vorausgegangen. Stefan Schmidt und TSV-Regisseur Maximilian Völkl waren die Assistenten.

Man hätte sich in Halbzeit zwei wohl einiges Zittern ersparen können, hätte der eingewechselte Onur Kurt das Leder kurz vor dem Pausentee freistehend nicht am SpVgg-Gehäuse vorbeigeschoben. So gab es in Hälfte zwei noch den einen oder anderen bangen Moment zu übersehen, zumal die Kurstädter zwar weiter Ton angebend waren, es aber verpassten, aus ihren Chancen Kapital zu schlagen. Insbesondere Leistner, Völkl und Tobias Neukam fehlte vor dem gegnerischen Kasten die nötige Konzentration. Bis zum gegnerischen Strafraum spielten die Bad Bernecker aus einer nun äußerst sattelfesten Defensive zwar sehr gefällig, im Strafraum des Gegners aber ließen sie doch einige Wünsche offen. So konstatierte schließlich TSV-Spielertrainer Klaus Harreis: „Wir haben es zwar versäumt, nach dem Wechsel nachzulegen, sind aber trotzdem nicht in Bedrängnis geraten. Für kommende Aufgaben wird es aber nötig sein, vorne das ein oder andere Tor mehr zu machen.“

Nichtsdestotrotz freute sich der TSV-Coach „über einen insgesamt gelungenen Saisonauftakt“, da man nun einige Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt schon mit fünf Punkten auf Distanz gehalten habe.

 

Fazit des Spiels: Ein fraglos verdienter Bad Bernecker Erfolg in einem temporeichen und bissig geführten Derby, das aber jederzeit fair blieb. Bei Bad Berneck gab einzig das Defensivverhalten bei Standardsituationen und die mangelnde Chancenverwertung Anlass zur Kritik. Ansonsten verdienten sich alle Bad Bernecker Akteure ein Gesamtlob für die läuferische Leistung. Herausragend beim TSV agierten Michael Back, Andre Russ, Maximilian Völkl, sowie die beiden Neukam-Brüder, die als „gebürtige“ Goldkronacher so manch verbalen Nadelstich seitens des heißblütigen Goldkronacher Anhangs mit einer famosen Vorstellung quittierten. Bei Goldkronach, das ebenfalls mit großem Einsatz und intakter Moral glänzte, war Libero Krause herausragender Akteur.

 


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