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Vor 20 Jahren – Stadtrat total zerstritten

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1959 – vor 50 Jahren. Bei einer Sitzung des Aufsichtsrates der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft (GEWOG) gaben Aufsichtsratsvorsitzender Georg Bitzinger und Vorstandsmitglied Franz Blumthaler den Bau eines fünfgeschossigen Sternhauses in der Blumenau bekannt. Den Entwurf für das Gebäude in Y-Form und 15 Wohnungen hatte Architekt Boto Bauer geplant – und darüber war schon im Frühjahr 1958 diskutiert worden. Nach der aktuellen Planung ist vor dem Gebäude an der Gottliebstalstraße ein ebenerdiger Bautrakt vorgesehen, in dem Läden eingebaut werden. Der Aufsichtsrat rechnete damit, dass die Baugenehmigung in den nächsten Tagen eintreffen wird, so dass mit dem Erdaushub noch vor der Frostperiode begonnen werden kann. Architekt Boto Bauer hatte für die Sitzung ein Baumodell gefertigt, das mit großer Zustimmung aufgenommen wurde. Das Modell wurde danach im Schaufester des Fotogeschäftes Paul Thiem der Öffentlichkeit präsentiert.

Neues von den Schwänen: Da die Stadt für die beiden Schwäne des Entenweihers im Kurpark keine Überwinterungsmöglichkeiten hatte, wurde für die frostige Jahreszeit ein neues Quartier gesucht. Es hatte lange gedauert, bis man fündig wurde. In der Nähe von Bayreuth wurde endlich eine neue Heimstatt und damit ein neuer Besitzer gefunden. Offensichtlich war man bei der Suche nach einer Unterkunft in Bad Berneck und Umgebung ohne Ergebnis geblieben.

1969 – vor 40 Jahren. Im Finanzausschuss des Stadtrates wurden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Bürgermeister Erwin Wein gab bekannt, dass in absehbarer Zeit das neue Kurmittelhaus sowie das Feuerwehr- und Rotkreuzhaus gebaut werden können. Nachdem nunmehr eine Mitteilung der Regierung von Oberfranken vorlag, dass für das Rechnungsjahr 1971 ein Betrag von 67.800 Mark für den Bau eines neuen Feuerwehrhauses zur Verfügung gestellt werden, könne laut Wein im kommenden Jahr mit dem Bau des Feuerwehr- und Rotkreuzhauses begonnen werden. Der Bürgermeister wurde ermächtigt, Verkaufsverhandlungen für das alte Spritzenhaus am Kolonnadenweg und das Rotkreuzheim am Kirchenring zu führen. Trotz pfleglicher Behandlung war der Wasserboiler im alten Kneippbad an der Maintalstraße schadhaft geworden. Obwohl in den nächsten Tagen mit den ersten Bauarbeiten für das neue Kurmittelhaus begonnen werden soll, wurden für die Boilerreparatur noch 1.600 Mark bewilligt.

Der städtische Leichenwagen soll  überholt werden; dies beschloss der Finanzausschuss gegen die Stimme von Erich Seifert (SPD). Laut Kostenvoranschlag müssen dafür 800 Mark aufgewendet werden.

Etwa bis Mitte der 60er Jahre hatte es in Bad Berneck eine Leichenkutsche gegeben, die von zwei Pferden gezogen wurde. Dann hatte die Stadt einen gebrauchten VW-Leichenbus aus Garmisch-Partenkirchen gekauft. Die alte Kutsche wurde verkauft. In Einzelteile zerlegt dämmerte sie Jahrzehnte in einer Scheune dahin. 2008 wurde das historische Gefährt von der Bayreuther Trauerhilfe Dannreuther in mühevoller Arbeit wieder neu aufgebaut und steht jetzt wieder für Überführungen zur Verfügung. Der alte VW-Leichenwagen nahm ein unrühmliches Ende. Als ihn das Bestattungsunternehmen Dittmar aus Goldkronach kaufen wollte, kam eine deutliche Absage von der Stadtverwaltung; man wollte offensichtlich keine „Konkurrenz“ nach Bad Berneck lassen. Der Leichenwagen war später nur noch für den Schrotthändler geeignet.

Weiteres Amt für Simon Nüssel: Der Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des Bayerischen Landtages wurde zum Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Ernährung und Landwirtschaft gewählt. In seinem neuen Amt will Nüssel vor allem für eine Verbesserung der Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte eintreten. Mit dem Landwirt Simon Nüssel aus Rimlas hatte der Landtag einen ausgewiesenen Fachmann in dieses Amt gewählt.

Bei einer Versammlung des Roten Kreuzes gab es eine stolze Bilanz: Bislang wurden insgesamt 4.000 Krankentransporte durchgeführt. Pro Jahr kommen rund 200 Transporte zusammen, die in der Regel durch Krankentransportleiter Heinrich Engelhardt geleistet werden. Bei dieser Versammlung gab es auch Neuwahlen. Nachdem Engelhardt schon über 25 Jahre das Amt des Kolonnenführers inne hatte, bat er von einer Wiederwahl Abstand zu nehmen. Als Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Herbert Krombholz gewählt, der bisher auch Ausbildungsleiter war. Engelhardt blieb aber weiter Leiter des örtlichen Krankentransportes. Neue Leiterin der weiblichen Bereitschaft wurde Lieselotte Götz. Der bisherige Obmann des Roten Kreuzes, Rudi Günsche, hatte eine Wiederwahl abgelehnt. Da aber kein Nachfolger gefunden wurde, erklärte sich Günsche bereit, das Amt noch kommissarisch weiterzuführen.

Kurze Aussprache im Ältestenausschuss des Stadtrates über die Kurmusik. Bürgermeister Erwin Wein teilte mit, dass das Orchester Heinrich Thierauf von Einheimischen, Kurgästen und auch von Musikexperten als gut beurteilt wurde. Gleiches gelte auch für die Tanzkapelle Hans Hülf. Für das kommende Jahr werde der Stadtrat mit 50.000 Mark an Musikkosten rechnen müssen.

1979 – vor 30 Jahren. Im Finanzausschuss des Stadtrates setzt sich Bürgermeister Hans Wirth für den Kauf eines Steinway-Flügels ein. Das alte Instrument sei für den vergrößerten Saal und die große Bühne nicht mehr tauglich, Jedoch soll es für 1.105 Mark renoviert werden. Danach soll es seinen Platz wieder im Kurhaus-(restaurant) finden und dort unter anderem für die Proben des Gesangvereins genützt werden. Für das umgebaute Kurhaus soll nun ein Steinway-Flügel angeschafft werden, dessen Kosten Bürgermeister Wirth mit 33.730 Mark angab; dieser Betrag soll in die Kurhaus-Umbaukosten mit aufgenommen werden. Wegen der hohen Kosten wurde der Punkt nochmals an die Fraktionen verwiesen. Gekauft wurde dann doch – das Instrument gibt es heute noch.

Auf dem Brauereigelände gab es einst auch eine Ausstellungsfläche des Autohauses Gemeinder. Auch dieses Areal wurde in den Neubau des Verbrauchermarktes einbezogen: Hier stehen heute wieder Autos, es ist der Parkplatz des Maintalcenters.

Auf dem Brauereigelände gab es einst auch eine Ausstellungsfläche des Autohauses Gemeinder. Auch dieses Areal wurde in den Neubau des Verbrauchermarktes einbezogen: Hier stehen heute wieder Autos, es ist der Parkplatz des Maintalcenters.

Die größte Diskussion vor 30 Jahren war die weitere Nutzung des Brauereigeländes an Bahnhofstraße/Anger. Nachdem sich die Kulmbacher Reichelbräu als Nachfolgerin der Bad Bernecker Brauerei Neuper von diesem Standort zurückgezogen hatte, wurde um eine gute Verwertung des Grundstückes gerungen. Bevor sich der Stadtrat dieses Themas letztendlich zur Entscheidung annahm, wurde in Versammlungen der Parteien über Lösungsmöglichkeiten kräftig diskutiert.

Die SPD-Fraktion hatte sich kürzlich bei einem Bürgergespräch in Bärnreuth für den Bau eines Supermarktes ausgesprochen. Mehrere CSU-Stadträte und auch die Junge Union erteilten solchen Plänen mit Rücksicht auf den örtlichen Einzelhandel eine klare Absage. Die JU plädierte dafür, dass sich CSU-Ortsverband und CSU-Stadtratsfraktion gegen dieses Vorhaben aussprechen sollten. JU-Vorsitzender Joachim Lenkeit präzisierte: „Ein Rückgang der städtischen Gewerbesteuereinnahmen wäre hundertprozentig. Zahlreiche Geschäfte des Einzelhandels müssten auf Grund der ungleichen Wettbewerbsbedingungen schließen. Viele Arbeiter, Angestellte und  Selbständige mit ihren Familien wären in ihrer Existenz bedroht“. Nun, der Supermarkt wurde später gebaut – und viele Einzelhandelsgeschäfte schlossen später: Aber mit Sicherheit nicht alle wegen der neuen Konkurrenz.

1984 – vor 25 Jahren. Eine überraschend gute Resonanz hatte eine Ausstellung von gut 20 Hobbykünstlern im Hotel Bube, die aus Bad Berneck und der weiteren Umgebung stammten. Die Palette der Ausstellungsstücke war bunt gestreut – von Ölbildern über Keramik- und Töpferarbeiten bis zu Klöppelgegenständen, Rupfenpuppen, Bildern in den verschiedensten Maltechniken, Einlegearbeiten oder Goldradierungen. Insgesamt waren 30 Arbeiten ausgestellt, deren Preise zwischen 2,50 und 3.000 Mark lagen. Übrigens – nicht alle Anmeldungen konnten berücksichtigt werden: Sechs Hobbykünstler mussten auf die nächste Ausstellung vertröstet werden. Dann wollte man einen größeren Raum zur Verfügung stellen.

Blumenklau hat in der Stadt offensichtlich Tradition. Während schon in der Vorkriegszeit – auch von einer honorigen Bürgerin – die Anlagen im Kurpark gerne für das Klauen eines schönen Blumenstraußes heimgesucht wurden, kamen vor einem viertel Jahrhundert Klagen in die Stadtverwaltung über eine neue Form des Blumenklaus. Im Friedhof wurden immer wieder Einpflanzungen und Grabgebinde gestohlen. Der Stadtverwaltung blieb da nur der Hinweis, dass die Täter mit empfindlichen Strafen zu rechnen haben – wenn sie denn erwischt werden.

1989 – vor 20 Jahren. Der Stadtrat ist total zerstritten. Dies zeigte sich auch bei der Bürgerversammlung im Kurhaus. Die für die Stadträte reservierte Tischreihe vor dem Publikum war nur halb besetzt. Die gesamte CSU-Fraktion hatte sich unter die Bürger gemischt, und auch von der SPD verweigerten 2. Bürgermeister Alfred Hoppert und Bernd Judas die üblichen Plätze. An den Stadtratstischen saßen nur die Mitglieder der FWG-Fraktion und von der SPD Bürgermeisterkandidat Engelbert Garske, Jürgen Zinnert und Richard Schneider. Auch bei den Diskussionen und Anfragen wurde eine tiefe Kluft der gewählten Volksvertreter deutlich: Nicht nur Bürgermeister Hans Wirth (FWG) beantwortete Fragen der Zuhörer, sondern auch (durchaus unüblich) 2. Bürgermeister Alfred Hoppert (SPD) – aber total konträr zu den Aussagen des 1. Bürgermeisters. Hoppert übrigens begründete seinen ungewöhnlichen Sitzplatz fern des Bürgermeisters und der Rest-Stadträte: „Ich setze mich deshalb nicht nach vorne, um zu dokumentieren, daß ich nicht alles für gut halte, was dort gesagt wird“.

In der Diskussion ging es unter anderem darum, warum Bad Berneck keine EG-Mittel aus dem Regionalprogramm in Anspruch genommen habe wie zum Beispiel Weidenberg, „das Millionen Mark abgeschöpft hat“. Nach Wirths Aussage war die Stadt nicht berechtigt, diesen Geldtopf anzuzapfen. Hoppert jedoch konterte, dass dies sehr wohl möglich gewesen wäre, „aber bei der Aufforderung der Regierung von Oberfranken zur Bewerbung hat es aus Bad Berneck eine Fehlanzeige gegeben.“ Nun, das war wirklich das Drama in Bad Berneck in den letzten Jahrzehnten: Während andere Gemeinden hurtig auf die Zuschusspferde aufgesprungen sind, hat Bad Berneck tief geschlafen.

Werner Seelbinder


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