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Vor 25 Jahren: Neuwahlen beim Kneipp-Verein

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Der Kur- und Kneippverein hat sich wieder gefasst. Nach dem Rücktritt von Vorsitzendem Franz Lang vor einigen Wochen wurde nun mit dem Fremdenverkehrsfachmann Artur Voit neu durchgestartet. Zwar hatte Lang als Nachfolger den Kurreferenten im Stadtrat, Engelbert Garske (SPD), vorgeschlagen, doch der erreichte in der außerordentlichen Jahresversammlung im Saal des Gasthauses Merkel nicht die Mehrheit der Stimmen.

Nach dem Rücktritt von Franz Lang musste 1985 ein neuer Vorstand beim Kur- und Kneippverein gewählt werden. Im Bild vorne von links der neue Vorsitzende Artur Voit, die Beisitzer Hermann Hartl, Heiner Hartmann, Gertrud Herrmann, Ehrenvorsitzender Franz Lang, 2. Vorsitzender Engelbert Garske und Beisitzer Bernd Judas. Hintere Reihe von links Schriftführerin Brigitte Richter, Kassier Heinz Zöltsch und Bürgermeister Hans Wirth.

Franz Lang erinnerte in seiner Abschiedsrede an die Gründung des Vereins im Jahr 1926 und an dessen Hauptziel – nämlich die Förderung der Kneippkur gemäß dem Vermächtnis des großen Gönners der Stadt, Ehrenbürger Wilhelm Rother. „Dass wir nunmehr 55 Jahre Kneippkur in der Stadt haben, ist nicht zuletzt dem Kneippverein zu verdanken. Ich glaube, dass dies ein stolzer Erfolg eines kleinen Vereins ist.“ Während der Rückblick von Franz Lang etwa eine halbe Stunde dauerte (Diskussionen gab es keine), nahmen die folgenden Neuwahlen gut die dreifache Zeit in Anspruch.

Da es bis auf wenige Ausnahmen stets zwei Kandidaten für die Vorstandsposten gab, musste geheim gewählt werden. Für die Wahl zum Vorsitzenden schlug Lang seinen Favoriten Engelbert Garske und als „Gegenkandidaten“ Artur Voit (CSU-Stadtrat und Inhaber eines Reisebüros) vor. Von den 55 Stimmberechtigten erhielt Artur Voit 41 Stimmen, für Garske stimmten nur 14 Anwesende. Dieser eindeutige Sieg Voits muss für etliche Mitglieder so überraschend gewesen sein, dass zunächst keine Vorschläge für einen stellvertretenden Vorsitzenden gemacht wurden. Schließlich wurden dann Joachim Seißer und Engelbert Garske genannt. Die Entscheidung war knapp: Garske erhielt 29 Stimmen, Seißer 25.

Auch die Wahl eines Schriftführers war alles andere als eine glatte Sache. Bürgermeister Hans Wirth schlug hier Stadtrat Rudolf Röder (FWG) vor, „damit die politische Parität gewahrt bleibt“. Dies stieß jedoch prompt auf ziemliche Unmutsäußerungen seitens der CSU, worauf aus deren Lager dann Stadtrat Heiner Hartmann Brigitte Richter vom Kurbüro vorschlug. Und dies fiel auf fruchtbaren Boden: Sie erhielt mit 42 Stimmen einen überwältigenden Vertrauensbeweis; Röder erhielt elf Stimmen, zwei Zettel waren ungültig.

Bei dieser Versammlung schlug die Parteilastigkeit der Mitglieder voll durch. Während die CSU-Mitglieder als Kandidaten oder Gegenkandidaten stets Leute aus ihren Reihen benannte, schlug Bürgermeister Hans Wirth (FWG) ausschließlich Leute aus der FWG oder der SPD vor.

Einigkeit bei den Mitgliedern herrschte nur bei einer Wahl eines Vorstandsmitglieds. Heinz Zöltsch (Bademeister im Kurmittelhaus), der schon bisher Schriftführer und Kassier in einer Person war, wurde von der Versammlung einstimmig zum Kassier gewählt.

Und Parteientheater auch wieder bei der Wahl des Beirates, dem automatisch der Bürgermeister, der Kurreferent und der Kneipparzt angehörten. Dazu galt es weitere drei Beisitzer zu wählen; da aber Kurreferent Garske 2. Vorsitzender wurde, galt es vier Beisitzer zu bestimmen. Reinhold Wigger schlug als ersten Heiner Hartmann (CSU) vor: Er wurde mit drei Gegenstimmen gewählt. Hans Wirth benannte als nächsten SPD-Stadtrat Bernd Judas: Er erhielt gegen die Stimmen aus dem CSU-Lager eine hauchdünne Mehrheit – 17 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen und 12 Enthaltungen. Der dritte Beisitzer, der Gastronom Hermann Hartl, wurde mit drei Gegenstimmen gewählt. Beim vierten Mitglied ging es ohne Parteipolitik: Gertrud Herrmann vom Kneippkurhaus Heißinger erhielt das einstimmige Vertrauen der Versammlung.

Und dann ging es noch mal zu wie auf einer Wahlversammlung. Bürgermeister Hans Wirth forderte Heiner Hartmann (der im Wahlausschuss saß) auf, die Wahlzettel aus seiner Tasche zu nehmen, zu versiegeln und der Schriftführerin zu übergeben. Die CSU-Gruppe quittierte diese Aufforderung mit lauten „Pfui“-Rufen und Fäustehämmern auf den Tischen. 2. Bürgermeister Alfred Hoppert klärte als Vorsitzender des Wahlausschusses auf: Der Wahlausschuss habe beschlossen, dass Hartmann die Unterlagen einstweilen in Verwahrung nehmen soll. Bei einem solchen Parteiengezänk ist es nicht verwunderlich, dass in diesen Jahren in der Kurstadt nicht mehr viel voran ging. Der Großteil der Kräfte wurde damit verpulvert, sich gegenseitig auszutricksen, zu behindern, zu bekämpfen…

Zum Schluss der Versammlung gab es eine versöhnliche Geste. Der neue Vorsitzende Artur Voit ernannte mit einstimmigen Beschluss der Versammlung seinen Vorgänger Franz Lang, der 27 Jahre als zweiter und erste Vorsitzender an der Spitze der Kneippianer stand, zum Ehrenvorsitzenden.


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