Abonnieren: Artikel | Kommentare

Vor 30 Jahren – Einzelhändler wollen Supermarkt verhindern

0 Eintrag

1959 – vor 50 Jahren. Volkstrauertag in der Stadt. Es wurde wieder der Opfer der beiden Weltkriege gedacht. Am Marktplatz versammelten sich die Stadt- und Gemeinderäte aus Bad Berneck, Bärnreuth und Rimlas mit ihren Bürgermeistern Dr. Oskar Fleckenstein (2. Bürgermeister von Bad Berneck), Thomas Mulzer und Adam Nüssel sowie die Vertreter der Behörden und Vereine. Dann ging es in einem Schweigemarsch zum hoch über der Stadt gelegenen Kriegerdenkmal auf der Eisenleite. Tiefer Ernst lag in den schweigenden Gesichtern des Zuges. Den äußeren Rahmen der Gedenkstunde gaben eine Blasmusik mit einigen Musikstücken und der Gesangverein unter der Leitung von Ernst Fiedor mit passenden und sehr gut vorgetragenen Liedern. Von den drei Bürgermeistern und den Vorsitzenden der Vereine wurden Kränze niedergelegt. 2. Bürgermeister Dr. Fleckenstein

Volkstrauertag in Bad Berneck: Jedes Jahr gibt es Gedenkfeiern an den Ehrenmälern in der Stadt sowie in Wasserknoden, Goldmühl und Escherlich. In Bad Berneck bewegt sich immer ein Trauerzug vom Marktplatz hinauf auf die Eisenleite zum Kriegerdenkmal.

Volkstrauertag in Bad Berneck: Jedes Jahr gibt es Gedenkfeiern an den Ehrenmälern in der Stadt sowie in Wasserknoden, Goldmühl und Escherlich. In Bad Berneck bewegt sich immer ein Trauerzug vom Marktplatz hinauf auf die Eisenleite zum Kriegerdenkmal.

richtete in seiner Ansprache tief zu Herzen gehende Worte an die Versammelten.

Vor einem halben Jahrhundert spielten die Vertriebenen in der Stadt noch eine große Rolle. Sie hatten sich nach der Flucht aus den einstigen deutschen Ostgebieten in der Stadt in drei Vereinen zusammengeschlossen: Die Schlesier, die Sudetendeutschen sowie die Ost- und Westpreußen. Franz Blumthaler, der Ehrenobmann der Sudetendeutschen gab bei einer Zusammenkunft der drei Verbände ein wichtiges Ziel vor: Die Gründung eines Dachverbandes in der Stadt, wobei jeder Verein seine Selbständigkeit beibehalte. „Damit schaffen wir in der Stadt einen großen Verband mit einem Gewicht, das bei der Entscheidung wichtiger Fragen wirksam in die Waagschale geworfen werden kann.“ Dem neuen Verband könnten keine Einzelmitglieder, sondern nur die Einzelvereine beitreten. Der Dachverband wurde nach kurzer Aussprache gegründet, wobei sich allerdings die Schlesier (noch) zurückhielten. Vorsitzender der neuen Gruppe wurde GEWOG-Geschäftsführer Franz Blumthaler (Sudetendeutsche), der Posten des 2. Vorsitzenden wurde vorerst nicht besetzt, er blieb für die Schlesier reserviert; 3. Vorsitzender wurde Schneidermeister Paul Maluck (Obmann der Ost- und Westpreußen).

Vertriebenenverbände spielen heute in der Stadt keine Rolle mehr. Das Vereinsregister zeigt keinen Eintrag.

1969 – vor 40 Jahren. Wohlbekömmlich und gut: Bad Bernecker Bier. Das konnte vor vier Jahrzehnten mit Stolz die Bad Bernecker Exportbierbrauerei Neuper behaupten. Und für die herausragende Qualität des im weiten Umland bekannten und beliebten Gerstensaftes zeichnete über viele Jahre hinweg Braumeister Kurt Brückmann verantwortlich. Im Spätherbst kam noch ein ganz besonderes Erzeugnis dazu: „Jetzt wieder Bad Bernecker Doppelbock – das gute Starkbier“ inserierte die Brauerei Mitte November in einer Fußleiste auf der letzten Seite der Bad Bernecker Zeitung. Viele ältere Bad Bernecker bekommen heute noch verklärte Augen, wenn sie vom Bad Bernecker Bier erzählen.

Alarmstimmung in der Stadt: Der Sitz der Ortskrankenkasse in Bad Berneck ist gefährdet. In der Stadtratssitzung trat die Tagesordnung in ihrer Bedeutung um einiges zurück, als Bürgermeister Erwin Wein eine besondere Ankündigung machte: „Es gibt Bestrebungen, die AOK-Verwaltungsstelle in Bad Berneck in ihrem Geschäftsumfang einzuschränken und sie später überhaupt aufzulassen.“ Der Stadtrat nahm umgehend gegen diese Pläne entschieden Stellung, wobei auch auf verpflichtende Vereinbarungen beim seinerzeitigen Bau des AOK-Gebäudes hingewiesen wurde.

Der Stadtrat zeigte sich tief enttäuscht und verärgert über die Absicht, „das erst vor wenigen Jahren neu erbaute AOK-Gebäude an ein Bayreuther Geldinstitut zu verkaufen oder zu vermieten. Der Stadtrat warf besonders rechtliche Gründe in seine Waagschale: Das betreffende Grundstück (früher Schulgarten) sei mit der Maßgabe (zu einem äußerst günstigen Preis) veräußert worden, dass darauf ausschließlich ein Krankenkassengebäude gebaut werde (die AOK-hatte vorher ihren Sitz gleich schräg gegenüber der Ölschnitz in einem Haus an der Maintalstraße). Weiteres Argument der Stadt: Die AOK-Geschäftsstelle ist nahezu die einzige Amts- oder Verwaltungsstelle, die in der Stadt verblieben ist. Und dann noch ein weiterer Grund für die Beibehaltung: Die Bürger von Bad Berneck und der Umgebung sind zum größten Teil bei der AOK versichert – und auch deshalb müsse die Verwaltungsstelle erhalten bleiben. Nun, der Protest des Stadtrates hat offensichtlich seine Wirkung nicht verfehlt. Die AOK gibt es noch heute am selben Standort neben dem Rathaus – allerdings ist sie heute im ersten Stockwerk angesiedelt. Im Erdgeschoss bietet seit langem ein Bankhaus seine Dienste an – zunächst war es die Bayerische Vereinsbank, jetzt die VR-Bank.

Seit Monaten wurde darüber geredet: Die Frage der Eingliederung der Gemeinde Bärnreuth in die Stadt Bad Berneck ist nun in die entscheidende Phase getreten. In der Sitzung des Bärnreuther Gemeinderates wurde ein Antrag auf Eingemeindung gestellt, der dann ausführlich diskutiert wurde. Bürgermeister Thomas Mulzer berichtete über alle für eine Eingemeindung wichtigen Fakten. Der Gemeinderat beschloss, einen Eingemeindungsantrag nur dann zu stellen, wenn folgende Punkte berücksichtigt werden: Verbesserung der Wasserversorgung, Teerung der Ortswege und Fertigstellung der Kanalisation. Die Bärnreuther unter der weitsichtigen Leitung ihres Bürgermeisters Mulzer wollten sich also nicht so leicht „verkaufen lassen“. Die Eingemeindung schließlich erfolgte zum 1. Januar 1971.

1979 – vor 30 Jahren. Erste Reaktion auf den geplanten Verbrauchermarkt. Die Einzelhändler der Stadt sind aufgerüttelt und gründen einen Interessenverband. Erklärtes Ziel: Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln soll der Bau eines Supermarktes auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei an der Bahnhofstraße verhindert werden. 40 Einzelhändler waren zusammengekommen und bestimmten Willi Werner, Karl Wilhelm Weigand, Wilhelm Münch und Manfred Meisel zu ihren Sprechern. In der Versammlung wurden massive Klagen gegen Aussagen im Stadtrat geführt: „Dort redet man von Ortsverschönerung aber nicht davon, dass durch dieses Einkaufszentrum sich die gesamte wirtschaftliche Struktur in der Stadt ändern wird.“ Und es wurde noch mit Zahlen nachgelegt. Bei einer Verkaufsfläche von 1.500 Quadratmetern und einer Miete von 15 Mark/qm müsste allein der Verbrauchermarkt einen Umsatz von 700.000 Mark im Monat machen – da bliebe für den örtlichen Einzelhandel nichts mehr übrig.

Dann legte die Versammlung ihre erste Aufgaben fest. Der Vorschlag von Hans Zapf (Textilhaus an der Rotherstraße), nach Geschäftsschluss alle Lichter in den Schaufenstern auszudrehen, wurde abgelehnt. Stattdessen wurde eine gemeinsame Werbeaktion beschlossen. Auf Vorschlag von Karl Wilhelm Weigand (Eisen-Weigand am Marktplatz) soll dabei „Bad Berneck als interessanter Einkaufsmarkt“ dargestellt werden. Die Geschäfte der hier genannten Personen gibt es heute nicht mehr – nur der Bürobedarf/Schreibwaren Münch ist übrig geblieben.

1984 – vor 25 Jahren. Eine der schönsten Beschreibungen der Bernecker Umgebung stammt aus der Feder des romantischen Dichters Wilhelm Heinrich Wackenroder, der mit Ludwig Tieck 1773 von Erlangen aus unsere Gegend mit dem Pferd bereiste. In seinen Wanderbriefen aus Franken hat er in der „Pfingstreise“ seine Eindrücke festgehalten. Der Stadtrat würdigte den Dichter mit einem Straßennamen in der Blumenau. Später kam auch noch die Ludwig-Tieck-Straße dazu.

Im Rundfunkquiz „Alle Neune“ war auch Bad Berneck vertreten. Dabei bestanden durchaus Siegerchancen für die Kurstadt. Am Ende kam allerdings nur der zweite Platz heraus – Sieger wurde Bad Brückenau mit nur drei Punkten Vorsprung. Die 90-minütige Rundfunksendung war live aus der Schulaula übertragen worden.

1989 – vor 20 Jahren. Immer noch Bauarbeiten in der Rother- und Bahnhofstraße. Bürgermeister Hans Wirth sieht sich veranlasst, im Stadtanzeiger per Inserat einen Baustandsbericht zu geben: „Die Arbeiten zur Neuverlegung der städt. Wasser- und Kanalleitung in der Rother- und Bahnhofstraße sind abgeschlossen. Dank der zügigen Arbeitsweise der Firma Günther-Bau, Stadtsteinach, konnte die vorgegebene Bauzeit erheblich verkürzt werden. Die Firma Günther-Bau zieht nun noch ab Maintal-Center in Richtung Stadtmitte die Erneuerung der Hausanschlussleitungen (Wasser) bis zur Grundstücksgrenze nach. Die Ortsdurchfahrt wird im Bereich der jeweiligen Aufgrabungsstelle für den Verkehr halbseitig gesperrt.

Auf Veranlassung der Fränkischen Gas-Lieferungs-Gesellschaft mbH wird noch in diesem Jahr die Gasleitung vom Marktplatz zur Hofer Straße verlängert. Vorgesehen ist einstweilen die Verlegung bis zum Anwesen Hofer Straße 12 (Gasthof Goldener Hirsch). Sollten es die Witterungsverhältnisse zulassen, ist eine Weiterführung bis zum „King Edward-Club“ geplant.“

Und weil den Anliegern die Baumaßnahme schon seit Monaten auf den Wecker ging und es auch schon Proteste im Rathaus gegeben hatte, fügte der Bürgermeister vorsorglich hinzu: Auftraggeber für diese Baumaßnahme ist die Fränkische-Gas-Lieferungs-Gesellschaft mbH und nicht die Stadt Bad Berneck.

Werner Seelbinder


Kommentar dazu schreiben:

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben.